Neuer Ansatz für Alzheimer-Behandlung

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Mit zunehmendem Alter steigt die
Wahrscheinlichkeit, Alzheimer zu
bekommen; © SXC

"Mit der neuen Erkenntnis haben wir erstmals einen Ansatz gefunden, wie wir das Absterben von Gehirnzellen stoppen können. Dies gelingt hier ohne die bekannten problematischen Nebenwirkungen vergleichbarer Ansätze auf Nervenzellen des Gehirns", erklärt Jens Wiltfang, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Duisburg-Essen. Allerdings würden noch mindestens 15 Jahre vergehen, bis die ersten Patienten hiervon profitieren könnten, dämpft er allzu hohe Erwartungen für die nähere Zukunft.

Charakteristisch für die Gehirne von Alzheimer-Patienten sind Eiweißablagerungen, so genannte Plaque, die starken Einfluss auf das Absterben der Gehirnzellen haben. Schon seit längerem ist bekannt, dass eine Gruppe von Proteinen, der so genannte Gamma-Sekretase- Komplex, eine wesentliche Rolle bei der Bildung dieser Plaque spielt. Potentielle Medikamente, die den gesamten Komplex angreifen würden, haben auf der Basis der bisherigen Wirkmechanismen tödliche Nebenwirkungen. Aktuell haben die Wissenschaftler nun ein ganz spezielles Molekül des Komplexes identifiziert: "Aph1B".

In Versuchen mit Mäusen schalteten die Forscher genau dieses Molekül aus und konnten zeigen, dass sich der Zustand der Tiere besserte - ohne dass gravierende Nebenwirkungen auftraten."Unsere Forschungen zeigen, wo wir effektiv in der Behandlung der Alzheimer-Erkrankung ansetzen können - ohne dass zu große Nebenwirkungen entstehen", fasst Wiltfang zusammen. Einer der nächsten Schritte würde sein, gezielt nach einer Substanz zu forschen, die die Aktivität von Aph 1B-Molekülen im menschlichen Gehirn verringert und damit die Plaquebildung stoppen kann.

Alzheimer ist mittlerweile die häufigste Demenzerkrankung in der westlichen Welt und bisher unheilbar. Heutige Medikamente erhalten die Gedächtnisfunktion nur in den ersten Phasen der Erkrankung. Das Absterben der Gehirnzellen verhindern sie aber nicht.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Essen