Neuer Ansatz im Kampf gegen Osteoporose

Der CB2-Rezeptor birgt neue
Heilungsansätze - für Mäuse und
Menschen; © NCI Visuals Online

Dr. Meliha Karsak vom Bonner Life&Brain-Zentrum konnte nachweisen, dass Mäuse mit einem bestimmten Gendefekt eine geringere Knochendichte aufweisen. "Wir kennen heute zwei Typen von Cannabinoidrezeptoren, CB1 und CB2", erklärt Karsak. "Der CB1-Rezeptor wird von den Nervenzellen im Gehirn gebildet und ist beispielsweise für die psychische Wirkung von Cannabis verantwortlich. Der CB2-Rezeptor kommt dagegen nicht in Nervenzellen vor; seine Funktion war bislang unbekannt."

Die Wissenschaftler um den Bonner Hirnforscher Professor Dr. Andreas Zimmer haben daher Mäuse gentechnisch so verändert, dass ihr CB2-Rezeptor nicht mehr funktionierte. "Die Tiere verloren nach und nach die stabilisierenden Knochenbälkchen", fasst Karsak die Ergebnisse zusammen. "Auch war bei ihnen die Zahl der Osteoklasten um fast die Hälfte erhöht."

Karsak konnte mit den Nagern nachweisen, dass Osteoklasten wie auch die Osteoblasten auf ihrer Oberfläche CB2-Rezeptoren tragen. "Wir haben Mäuse mit einem Wirkstoff behandelt, der spezifisch an den CB2-Rezeptor bindet. Auf diese Weise konnten wir den durch den Eingriff bedingten Knochenverlust abschwächen", erklärt die Molekularbiologin.

"Wir haben eine bestimmte Variante des CB2-Gens häufiger bei Patientinnen gefunden als in einer entsprechenden Kontrollgruppe", so Karsak. Wer diesen Defekt in seinen Erbanlagen mit sich herumtrage, müsse jedoch nicht zwangsläufig erkranken: "Frauen mit dieser Mutation tragen aber ein dreifach höheres Osteoporose-Risiko."

Die Ergebnisse zeigen nicht nur, dass der CB2-Rezeptor für den Erhalt der normalen Knochenmasse essentiell ist. Sie eröffnen auch völlig neue Möglichkeiten der Therapie: "Bei vielen Frauen mit Osteoporose funktioniert der CB2-Rezeptor; bei ihnen hat die Erkrankung andere Ursachen. Bei ihnen könnte man versuchen, den Rezeptor durch Medikamente zu stimulieren und so den Knochenverlust zu bremsen."

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn