Neuer Biomarker für Alzheimer

Foto: Knoten im Stofftaschentuch

Testen, ob die Vergesslichkeit
Überhand nimmt; © Pixelio.de

Zwölf bis 15 Prozent der Menschen mit leichten kognitiven Störungen (LKS) erkranken jährlich an der Alzheimerschen Erkrankung. In einer europäischen multizentrischen Studie unter Leitung von Professor Harald Hampel ging man der Frage nach, ob sich durch einen biologischen Test vorhersagen lässt, wer höchstwahrscheinlich von Demenz getroffen wird, wenn in einem Gedächtnistest leichte kognitive Defizite nachweisbar sind.

Das Ergebnis: Es wurde ein Protein im Nervenwasser identifiziert, das eine verlässliche Prognose erlaubt. "Unser Ansatz basiert auf der Messung des abnorm veränderten tau-Proteins im Rahmen von neurofibrillären Gehirnveränderungen, eines der hauptsächlichen pathologischen Merkmale, die mit dem Verlust von Nervenzellen bei der Alzheimer-Demenz in Verbindung stehen" erklärt Dr. Michael Ewers, Erstautor der Studie.

Das tau-Protein ist ein Molekül, das das Zytoskelett unserer Körperzellen stabilisiert. Vor allem im Alter verändert sich tau bei vielen Menschen in den Neuronen des Gehirns. "Es wird an verschiedenen Stellen mit Phosphat-Molekülen beladen", erklärt Privat- Dozentin Dr. Katharina Bürger vom Klinikum der Universität München. Bei LKS-Patienten ist eine bestimmte Form veränderter tau-Proteine - p-tau 231 - in erhöhten Konzentrationen schon in frühen Phasen im Nervenwasser zu finden. Ob sich p-tau 231 wirklich als biologisches Orakel für einen drohenden Untergang der Nervenzellen bei der Alzheimerschen Erkrankung eignen würde, war unklar.

Um Gewissheit zu bekommen, rekrutierten Ärzte aus vier europäischen Alzheimer-Forschungszentren 88 Patienten mit leichten kognitiven Störungen und verfolgten deren Schicksal mit wiederholten Hirnleistungstests anderthalb Jahre lang.

Zu Beginn wurde ihnen Nervenwasser aus dem Wirbelkanal entnommen. Das Ergebnis: Oberhalb eines bestimmten Schwellenwertes von p-tau 231 entwickeln LKS-Patienten mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Alzheimersche Demenz. So entwickelten die Forscher erstmals ein Standardkriterium, mit dem die prognostische Genauigkeit an verschiedenen Kliniken relativ konsistent bestätigt wurde und somit für die klinische Routineuntersuchung relevant ist, hebt Ewers hervor.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum der Universität München