Neuer Diagnose-Ansatz zur Früherkennung

Mann hält seinen Kopf

Schwindel ist ein vages
Symptom; © Picture Disk

Der Radiologe Dr. Mike Wattjes und der Physiker Dr. Frank Träber untersuchen, ob es verlässliche Merkmale gibt, mit denen sich Multiple Sklerose (MS) schneller diagnostizieren lässt. Ein viel versprechendes Diagnose-Instrument scheint die Magnetresonanz- Spektroskopie zu sein. Das Gerät wirft eine Art komplizierte Fieberkurve aus, wobei jeder Gipfel für ein bestimmtes Stoffwechselprodukt steht.

Bei MS wird unter anderem die Isolierschicht der Nervenfasern im zentralen Nervensystem angegriffen. Zuerst werden die Nervenzellen nur geschädigt, im weiteren Verlauf können sie sogar absterben, weil sich das Verhältnis verschiedener Hirnmoleküle zueinander verschiebt. Eine dieser Substanzen ist N-Acetyl-Aspartat (tNAA), welches in intakten Neuronen in deutlich größerer Menge vorkommt als in Fasern, die bereits angegriffen sind. "Diese Änderung der tNAA-Menge lässt sich spektroskopisch messen", erklärt Träber.

Insgesamt 25 Patienten mit möglichen MS-Symptomen nahmen an der Studie teil, dazu eine Kontrollgruppe von 20 Gesunden. In den sechs Monaten nach der Messung kontrollierten die Ärzte, bei welchen Patienten sich nach dem ersten Schub tatsächlich eine MS entwickelte. Das war bei neun Patienten der Fall. "Bei diesen neun Patienten war die tNAA-Menge zum Zeitpunkt der Messung, also schon Monate vor der definitiven Diagnose, um durchschnittlich 13 Prozent verringert gewesen", erklärt Träber. Die übrigen Patienten hatten zwar ebenfalls zu Beginn der Studie geringere tNAA-Werte als die gesunden Probanden. Hier betrug die Differenz aber nur sechs Prozent.

"Sechs Monate sind für Multiple Sklerose keine lange Zeit", betont Wattjes. "Das spricht bei den neun Betroffenen für eine relativ hohe Krankheitsaktivität - und das zu einem Zeitpunkt, zu dem man eine MS noch gar nicht diagnostizieren kann. Stark verminderte tNAA- Konzentrationen scheinen daher auf ein hohes Risiko hinzuweisen, bereits kurze Zeit nach den ersten Symptomen eine definitive MS zu enwickeln."

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn