Eine der Kandidatenwirkstoffe ist Dapivirin, ein nicht-nukleosidaler Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI). Dieser Wirkstoff wird mit Hilfe eines Rings in die Vagina eingelegt und gibt die Substanz kontinuierlich 30 Tage lang ab. Dapivirin ist der erste NNRTI, der für diese Anwendung geprüft wird.

Eine kleine Studie zu Dapivirin mit 13 Frauen erbrachte ermutigende Resultate. Die Studienteilnehmerinnen erhielten entweder den Wirkstoff-Vaginalring oder ein Placebo. Der Wirkstoff-Ring wurde gut vertragen, das Scheidenmilieu nicht verändert. Es traten nur wenige und eher unbedeutende Nebenwirkungen auf. Der Wirkstoff verteilte sich durch die Scheidenwand im Körper und trat in ausreichender Konzentration auf. Diese Studie wurde jetzt auf der XVI International AIDS Conference vorgestellt.

Andere Studien wandten sich dem Wirkstoff Thio-Harnstoff-NNRTI zu. Präklinische Untersuchungen weisen darauf hin, dass solche Wirkstoffe eine hohe Bindungsaffinität zur Reversen Transkriptase des HI-Virus haben und sowohl gegen Wildtypen als auch wirkstoffresistente Typen des HI-Virus in Afrika, Asien und Südamerika wirken.

Forscher haben Mäusen menschliches Sperma eingeführt, das mit HIV infiziert war. Die Mäuse waren zuvor mit 1000 nM Thio-Harnstoff-NNRTI behandelt worden. In neun von zehn Mäusen konnte dadurch eine HIV-Infektion verhindert werden. Hatte man die Mäuse mit 2000 nM Thio-Harnstoff-NNRTI vorbehandelt, erkrankte keine einzige der zehn Mäuse. Es gab keinerlei Spuren vaginaler Toxizität. Die Wirkstoffe sind einfach herzustellen und zeigen ein weites Wirkspektrum.

Weitere Wirkstoffe, die zur Zeit als anti-retrovirale Mikrobizide untersucht werden sind HIV-Eintrittshemmer, Surfactants, Säurepuffer und verschiedene antiretroviral wirksame Wirkstoffe.

MEDICA.de; Quelle: XVI International AIDS Conference 2006