Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Proteinen, die vor neun Jahren in einem Bereich des Großhirns, dem limbischen System entdeckt worden sind. Diese so genannten Homer-Proteine fungieren quasi als Adapterproteine, die Nervensignale verknüpfen. Im flüssigen Medium der Zelle gleichen sie schwimmenden Brücken, die zwei Ufer verbinden: Auf der einen Seite die Empfangsstationen für Signale aus dem Körper; auf der anderen Seite Zellsysteme zur Verarbeitung dieser Signale.

Nun wurde zum ersten Mal bewiesen, dass Homer-Proteine auch im Rückenmark vorkommen und dort an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind.

Eines der Homer Proteine, 1a genannt, das nur halb so groß wie die anderen ist, widersetzt sich und versucht, das Gerüst ständig zum Einsturz zu bringen. Sobald die Homer Proteine beginnen, die Schmerzbrücke zu bauen, legt sich Sprössling Homer 1a quer. Tatsächlich wird das kleine Protein bei chronischen Entzündungen vom Körper reichlich produziert. Gerade bei chronischen Schmerzen trägt nämlich der Rest der Homer Proteine dazu bei, dass ein Schmerzgedächtnis aufgebaut wird und der Schmerz chronisch wird.

Bisher kannte man nur Rückkopplungsmechanismen, die den Schmerz verstärken. Als endogene Hemmstoffe von Schmerzen galten bislang ausschließlich Endorphine oder Cannabis-Abkömmlinge. Mit Homer 1a hat man erstmals einen negativen Rückkopplungsmechanismus der Schmerzverarbeitung identifiziert.

Das ließe sich möglicherweise therapeutisch nutzen, indem man in einer Gentherapie den Bauplan für dieses Protein in die betroffenen Zellen einschleust. Leichter wäre es jedoch vermutlich, kleine Teile von Homer 1a, die Hebel gewissermaßen, mit denen er die Schmerzbrücke abbaut, nachzuformen und zum Medikament zu entwickeln.

MEDICA.de; Quelle: Nature Medicine 2006, Vol. 12, S. 677-681