Multiple Sklerose (MS) und das Devic-Syndrom sind autoimmun bedingte entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die zunächst ähnliche Symptome aufweisen. Vor einiger Zeit wurde bei Patienten mit dem Devic-Syndrom entdeckt, dass sie offensichtlich Antikörper gegen eine bestimmte Struktur im Nervensystem besitzen. Dass die Patienten tatsächlich Antikörper gegen Aquaporin-4 in ihrem Blut haben, wurde jetzt mit dem neuen Test gezeigt, der den quantitativen Nachweis der Aquaporin-4-Antikörper ermöglicht.

Aquaporin-4 wird hierbei mit einem gentechnischen Verfahren hergestellt und radioaktiv markiert. Dem Patienten wird anschließend Blut abgenommen, das daraufhin dem künstlichen Protein hinzugegeben wird. Bei Betroffenen mit dem Devic-Syndrom müssten sich die spezifischen Antikörper aus dem Blut nach einiger Zeit an das radioaktiv markierte Aquaporin-4 binden. Nicht gebundenes Aquaporin-4 wird anschließend aus der Lösung extrahiert und die restliche Radioaktivität dieser Lösung bestimmt. Je größer sie ist, desto mehr Antikörper befinden sich im Blut der Patienten, was für ein Devic- Syndrom spricht.

Antikörper gegen Aquaporin-4 konnten in der Studie unter der Leitung von Dr. Friedemann Paul und Dr. Orhan Aktas bei 63 Prozent der Patienten mit dem Devic-Syndrom nachgewiesen werden. MS-Patienten und Patienten mit anderen entzündlichen und nicht-entzündlichen neurologischen Erkrankungen wiesen hingegen fast keine Aquaporin-4-Antikörper auf. Der Antikörper ist also sehr spezifisch für das Syndrom.

"Das bedeutet, dass man mit Hilfe des Test auf Aquaporin-4-Antikörper das Devic-Syndrom diagnostizieren kann, noch bevor die Erkrankung in ein fortgeschrittenes Stadium übergeht. Weitere Krankheitsschübe könnten eventuell durch die frühzeitige Behandlung verhindert werden", erklärt Prof. Frauke Zipp, Leiterin der Cecilie-Vogt-Klinik für Molekulare Neurologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

MEDICA.de; Quelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin