Neuer Test zur Früherkennung von Lyme-Borreliose

Die Arbeitsgruppe Infektionsimmunologie des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der Medizinischen Universität Wien arbeitet im Rahmen des EU-Projekts "ID-Lyme" an der Entwicklung eines neuen Tests zur Früherkennung von Lyme-Borreliose.

26.04.2016

 
Foto: Zecke

Zecken können durch ihren Biss verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen. Besonders zu warmen Jahreszeiten sollte man in hohen Gräsern Bein bedeckende Kleidung tragen; © panthermedia.net/Risto0

Dieser soll dabei helfen, eine aktuelle Infektion besser erkennen zu können als bisher und damit gesunde Personen mit Borrelien-Antikörpern im Blut nicht unnötig mit Antibiotika zu behandeln und bereits frühzeitig die richtigen therapeutischen Schritte setzen zu können. Die derzeit zur Verfügung stehenden Antikörpertests geben frühestens 3-4 Wochen nach der Infektion ein aussagekräftiges Resultat.

"Die derzeitige Standard-Laboruntersuchung ist leider oft nicht in der Lage, die frühe aktuelle Infektion mit Borrelien nachzuweisen", erklärt Hannes Stockinger, Leiter des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie und des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien.

"Dazu kommt, dass mit den aktuellen Tests oft auch eine reine Antikörper-Reaktion als Infektion interpretiert und mit Antibiotika behandelt wird, obwohl das wiederum gar nicht nötig wäre, da es sich bereits um eine lange zurückliegende oder ausgeheilte Infektion handelt." 

"Nicht jeder Zeckenstich muss zu einer Erkrankung führen und auch nicht jeder positive Borrelientest bedeutet eine Erkrankung. Das ist das Tückische", ergänzt Gerold Stanek vom gleichnamigen Institut und Zentrum der MedUni Wien und einer der Pioniere in der heimischen Borrelienforschung. So sind etwa viele Jäger, die sich naturgemäß öfter in Wald und Wiese aufhalten, kerngesund, obwohl sie Borrelien-Antikörper aufweisen, d.h. schon früher und wiederholt mit Borrelien in Kontakt gekommen sind.

Mit den bisherigen Tests lässt sich nur ein Teil des menschlichen Immunsystems analysieren, nämlich jener der B-Zellen, nicht aber jener der T-Zellen, die als Helferzellen zum Bekämpfen der Infektion nötig sind und deren Aktivität auf das Vorliegen einer Infektion schließen lässt. Daher arbeiten die MedUni Wien-Immunologie-ExpertInnen daran, den weltweit ersten "Point-of-Care"-Test zu mitzuentwickeln, mit dem es möglich wäre, die aktuelle Infektion nachzuweisen und die richtige Behandlung der Patienten einzuleiten. Der Test, der sich "Ixodes-Kit" nennt, soll noch im Herbst 2016 in den klinischen Einsatz gelangen, sagten die Wissenschafter anlässlich des "Weltweiten Tages der Immunologie 2016". Ixodes ist die wissenschaftliche Bezeichnung für Schildzecken.

Die Lyme-Borreliose wird in Mitteleuropa und in den skandinavischen Ländern besonders häufig beobachtet. Aufgrund der Klimaerwärmung dehnt sich das Verbreitungsgebiet kontinuierlich nach Norden aus. Zecken werden immer früher aktiv. In Österreich selbst herrscht nun bereits bestes Klima für Zecken, wie Stanek betont: "Zecken werden aktiv, wenn die Bodentemperatur auf rund 7 Grad Celsius ansteigt, das ist jetzt im Frühling der Fall." 

Anders als für FSME-Viren, die ja auch über einen Zeckenstich verbreitet werden, gibt es bislang keine Impfung gegen Borreliose. Jedes Jahr kommt es in Österreich zu rund 70.000  Neuerkrankungen nach einem Zeckenstich. Rund jede vierte Zecke trägt Borrelien mit und in sich. Die sogenannte Wanderröte ist ein sicheres Zeichen einer Infektion mit von Zecken übertragenen Lyme-Borrelien. Doch sie tritt nur bei rund einem Drittel der PatientInnen auf. Wird die bakterielle Infektion nicht rechtzeitig erkannt, kann sie zu schweren Erkrankungen wie Gelenksentzündungen bis hin zu sehr schmerzhaften Infektionen der Nervenwurzeln mit Lähmungen oder Gedächtnisverlust führen.

Zecken übertragen neben Lyme-Borrelien und dem FSME-Virus noch andere Krankheitserreger wie beispielsweise Rickettsien, Babesien, Anaplasmen, Francisella tularensis, Bartonellen und andere.

MEDICA.de; Quelle: MedUni Wien
Mehr über die MedUni Wien unter: www.meduniwien.ac.at