Neuer Therapie-Ansatz für Alzheimer?

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Entzündungsreaktionen im Gehirn könnten maß-
geblich an der Entstehung von Alzheimer betei-
ligt sein; © panthermedia.net/lightwise

Wird die Aktivität des Komplexes mit der Bezeichnung „NLRP3-Inflammasom“ verhindert, könnte dies der Alzheimer-Therapie neue Wege öffnen. Der Komplex ist ein aus mehreren Proteinen zusammengesetztes Ensemble mit Schlüsselfunktion für das Immunsystem. Er wirkt wie ein Brandsensor, der bei Aktivierung eine Meldekette auslöst. In deren Folge werden Abwehrzellen mobilisiert und entzündungsfördernde Substanzen freigesetzt. Infektionen können diesen Vorgang anstoßen und werden in der Folge durch die Immunreaktion eingedämmt. Doch im Fall der Alzheimerkrankheit kann das Anspringen des molekularen Feuermelders negative Folgen haben: Nervenzellen werden geschädigt und sterben ab. Beim Menschen führt dies zum schleichenden Verlust der geistigen Fähigkeiten.

Begleiterscheinung, möglicherweise auch Auslöser von Alzheimer, sind gewisse Ablagerungen, die sich im Gehirn ansammeln. Dass diese sogenannten Plaques das NLRP3-Inflammasom aktivieren können, hatte sich bereits bei Untersuchungen einzelner Zellen herausgestellt. Doch die genauen Effekte im Organismus waren unbekannt. „Es war unklar, wie sich eine erhöhte Aktivität des NLRP3-Inflammasoms auf das Gehirn auswirkt“, sagt Professor Michael Heneka von der Universität Bonn. Im Team mit dem Bonner Immunforscher Eicke Latz und weiteren Kollegen konnte er nun nachweisen, dass der Proteinkomplex in der Tat eine maßgebliche Rolle für Alzheimer spielt.

Die Forscher sammelten eine umfangreiche Indizienkette: Sowohl im Hirn verstorbener Alzheimer-Patienten als auch in Mäusen, die für Alzheimer typische Verhaltensstörungen zeigten, stellten sie eine aktivierte Form des NLRP3-Inflammasoms fest.

An einer weiteren Gruppe von Mäusen untersuchten die Wissenschaftler, ob sich Entzündungsreaktionen unterdrücken lassen. Dazu entfernten sie aus dem Erbgut der Tiere jene Bereiche, die eine Produktion des NLRP3-Inflammasoms auslösen. Die Mäuse waren somit nicht mehr in der Lage, den Proteinkomplex herzustellen. Das zeigte Wirkung: Tatsächlich entwickelten die Tiere nur relativ milde Krankheitssymptome. Überdies traten in ihren Gehirnen die schädlichen Plaques in verringertem Umfang auf.

„Wir sind hier auf eine entscheidende Stelle im Entstehungsprozess von Alzheimer gestoßen. Angesichts dieser Befunde scheint es vielversprechend, die Aktivität des Inflammasoms zu blockieren“, so Heneka. Nach seiner Einschätzung könnte es durch geeignete Pharmaka möglich sein, eine Reaktionskette zu stoppen, die ansonsten zur Entzündung von Gehirnzellen führen würde. „Derzeit werden diverse Wege untersucht, um auf den Verlauf der Krankheit einzuwirken“, meint der Neurowissenschaftler. „Unsere Ergebnisse deuten auf eine neue Möglichkeit hin. Noch bewegen wir uns allerdings im Forschungsbereich.“

Die Bonner Wissenschaftler planen jedoch schon weiter. Die Arbeitsgruppe von Eicke Latz, die an der aktuellen Studie ebenfalls maßgeblich beteiligt war, hat bereits begonnen, nach Substanzen für eine Blockade des NLRP3-Inflammasomes zu suchen. „Ein nächster Schritt wäre es, potentielle Wirkstoffe im Laborversuch zu testen. Wir hoffen, damit bereits im nächsten Jahr beginnen zu können“, sagt Heneka.

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)