Neuer Therapiestandard für Leukämie

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die zweithäufigste Leukämie und gilt gegenwärtig als nicht heilbar. Sie wurde bisher mit Chemotherapien behandelt. In der CLL8-Studie der Deutschen CLL Studiengruppe wurden insgesamt 817 Patienten zuvor nicht therapierte Patienten in 190 Behandlungszentren in 11 Ländern behandelt.

408 Patienten wurden zufällig der Behandlung mit einer Chemoimmuntherapie bestehend aus Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR) zugeteilt. 408 Patienten erhielten eine Chemotherapie aus Fludarabin und Cyclophosphamid (FC). Drei Jahre nach der Chemoimmuntherapie war die Krankheit bei 65 Prozent der Patienten nicht weiter fortgeschritten – im Vergleich zu 45 Prozent der Patienten, die die Chemotherapie erhalten hatten. Das zentrale Resultat dieser Studie ist jedoch, dass sich die Überlebenswahrscheinlichkeit durch die Chemoimmuntherapie nachweislich erhöhte. Drei Jahre nach der Behandlung lebten 87 Prozent der zusätzlich mit Rituximab behandelten Patienten gegenüber 83 Prozent der Patienten, die allein die Chemotherapie erhalten hatten.

Was ist nun so neu an den Ergebnissen? Erstens zeigen die Ergebnisse, dass die Güte des Therapieansprechens durch die neue Chemoimmuntherapie, also die Kombination aus dem monoklonalen Antikörper Rituximab mit den Zytostatika Fludarabin und Cyclophosphamid (FCR) viel besser ist, als für vorherige Therapien. Fast die Hälfte der Patienten erreichen eine komplette Remission mit der Chemoimmuntherapie im Vergleich zu weniger als einem Viertel mit der Chemotherapie allein. Daraus folgt, dass die Remissionsqualität eine Auswirkung auf die Überlebenschancen hat. Zweitens fügt das Rituximab der Therapie einen neuen Mechanismus hinzu, der die Leukämiezellen abtötet.

Die CLL8-Studie etabliert aber nicht nur einen neuen therapeutischen Goldstandard. Die Studie kündigt auch eine neue Behandlungs-Ära für diese Leukämie an, indem sie zeigt, dass bestimmte genetische Subgruppen von Patienten unterschiedlich von der Chemoimmuntherapie profitieren.

Die mittels genetischer Tests erkennbaren Veränderungen an den Chromosomen sind dabei der bedeutsamste Faktor: Patienten mit einem Verlust des kurzen Arms von Chromosom 17 (17p-Deletion) haben die schlechteste Prognose. Dagegen haben Patienten mit einem Verlust des langen Arms von Chromosom 13 (13q-Deletion) oder einer Trisomie 12 einen guten Verlauf nach Chemoimmuntherapie. Am eindrucksvollsten sind die Ergebnisse für Patienten mit einem Verlust des langen Arms von Chromosom 11 (11q-Deletion). Sie hatten bisher eine schlechte Prognose, sprechen aber so gut auf die Chemoimmuntherapie an, dass ihre Prognose jetzt zu der von Gruppen mit gutem Risiko vergleichbar wird.


MEDICA.de; Quelle: Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.