Neuer Tuberkulose-Impfstoff entwickelt

Tuberkulose-Erreger

Der Tuberkulose-Erreger teilt sich
im Vergleich zu anderen Bakterien
sehr langsam; © MPI

Der Impfstoff mit der Bezeichnung "VPM1002" wird zurzeit in der klinischen Phase I in Neuss an freiwilligen Probanden auf seine Sicherheit getestet. VPM1002 basiert auf einer seit 1921 verwendeten Vakzine, die gentechnisch so weiter entwickelt wurde, dass sie wesentlich wirksamer eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien verhindert als ihr Vorgänger.

Die wissenschaftliche Basis dazu hat das Team von Stefan H.E. Kaufmann gelegt, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. "Der von französischen Forschern entwickelte BCG- Impfstoff gegen Tuberkulose ist die weltweit am häufigsten verabreichte Lebendvakzine", erklärt Kaufmann. Doch mittlerweile zeige das Bakterium Bacillus Calmette-Guérin (BCG) häufig keine Wirkung mehr.

Um das zu ändern, haben die Forscher ein Gen in die Impf-Bakterien eingebaut. Leander Grode, seinerzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Kaufmann, beschreibt das Verfahren: "Die Impfbakterien werden von den sogenannten Fresszellen des menschlichen Immunsystems aufgenommen und landen dort in den Verdauungsbläschen. Dank der gentechnischen Modifikation können sie sich nun aus den Bläschen befreien und so das Immunsystem gegen die Tuberkulose-Erreger wappnen."

Bisher hat sich der neue Impfstoff im Tiermodell als wirksam und sicher erwiesen. Doch diese Wirkung muss erst auch im Menschen nachgewiesen werden. Kaufmann mahnt zur Geduld: "Selbst wenn sich der neue Impfstoff verträglich erweist, muss er noch weitere Testphasen auf Wirksamkeit durchlaufen. Das dauert mindestens noch zehn Jahre."

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.