Neues E-Health-Gesetz: "Der Patient hat die Kontrolle über seine Daten"

Interview mit Bernd Altpeter, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Telemedizin und Gesundheitsförderung (DITG)

08.05.2016

Das "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen" (kurz E-Health-Gesetz) trat am 29. Dezember vergangenen Jahres in Kraft. Bis Ende 2018 werden Krankenhäuser und Arztpraxen schrittweise an die neuen Funktionen der digitalen Gesundheitskarte und der Telemedizin herangeführt. So sollen Patientendaten den behandelnden Ärzten leichter zugänglich gemacht werden, um die Arbeit des Personals zu erleichtern.

Foto: Bernd Altpeter

Bernd Altpeter; © DITG

Im Interview mit MEDICA.de erklärt Geschäftsführer des DITG, Bernd Altpeter, welche Vorteile das Inkrafttreten des E-Health-Gesetztes mit sich bringt und wie es um den Datenschutz der Patienten steht.

Herr Altpeter, worin genau sehen Sie die Vorteile dieser Innovation für Ärzte und auch Patienten?

Bernd Altpeter: Die Vorteile liegen darin, dass alle Daten von Patienten vorliegen, sodass die behandelnden Institutionen wie Krankenhäuser und Ärzte immer einen vollständigen Einblick in die Historie und die Medikation der Patienten haben. Dadurch kann sichergestellt werden, dass Maßnahmen aufgrund dieser vollständigen Patientenhistorie getroffen werden. Natürlich müssen alle diese Daten regelmäßig gepflegt werden und der Patient muss seine Daten zur Weiterverwendung an Dritte freigeben. Denn der Patient hat die Kontrolle über seine Daten, sie sind sein Eigentum.

Haben Sie Bedenken, dass dadurch die vertrauliche Beziehung von Arzt und Patient leidet?

Altpeter: Nein, in gar keinem Fall. Im Gegenteil, die Mehrheit der Patienten stehen, aus unserer Erfahrung, dieser Neuerung positiv gegenüber. Sie sehen in der Telemedizin und dem E-Health-Gesetz einen Nutzen für sich. Patienten hatten oftmals das Problem, dass unzulängliche Informationen weitergegeben wurden. Außerdem findet der Patient, dass er besser betreut, behandelt und therapiert werden kann, wenn alle nötigen Informationen zur Verfügung stehen.

Für wen eignet sich zum Beispiel eine Online-Sprechstunde?

Altpeter: Zum einen für Patienten mit Bagatellerkrankungen wie Fieber, Schnupfen und Husten. So können sich Ärzte erstmal ein Bild des Patienten machen. Zweitens ist die Online-Sprechstunde für Rückfragen von chronisch kranken Menschen geeignet, um schneller mehr Informationen über ihr eigenes Krankheitsbild zu bekommen. Und natürlich hat es auch geographische Vorteile, da auf dem Land lebende Menschen zum nächsten ansässigen Arzt meist eine weite Fahrt in Kauf nehmen müssen.

Foto: Arzt sitzt am Computer

Fortbildungen und Sprechstunden sollen zukünftig vermehrt in der virtuellen Welt abgehalten werden, so sparen Ärzte und Patienten Fahrtkosten und Zeit; © Panthermedia.net/perig76

Sehen Sie eine Gefährdung des Datenschutzes seitens der Patienten?

Altpeter: Nein, wir haben in Deutschland ein sehr umfassendes Datenschutzgesetz. Es gibt klare Vorschriften des Gesetzgebers wie diese Daten gespeichert werden müssen, damit diese nicht in die Hände unbefugter Personen gelangen. Heutzutage werden privat zahlreiche Apps auf Smartphones genutzt, welche jenseits unserer Datenschutzrichtlinien fungieren. Dies erfolgt auf freiwilliger Basis. Dabei werden viel mehr Daten ins Netz gestellt, die nicht sicher gespeichert oder ins Ausland transferiert werden. Dies ist viel gefährlicher. Alle Daten, die dem E-Health-Gesetz unterliegen, werden restriktiv gehandhabt und unterliegen wie gesagt, den höchsten Sicherheitsstandards.

Mit der Telemedizin soll es ebenfalls möglich sein, Fort- und Weiterbildungen in der virtuellen Welt durchzuführen. So sollen Reisekosten und Zeit eingespart werden. Können dabei Komplikationen auftreten?

Altpeter: Die einzige Komplikation könnte sein, dass die Teilnehmer dieses Angebot nicht nutzen können, weil sie keinen Zugang zum Internet haben oder keine Smartphones nutzen. In unserer Studie* haben wir zum Beispiel festgestellt, dass bis zu 50 Prozent aller chronisch erkrankten Patienten über 70 Jahren keinen Internetzugang zu Hause haben.

Denken Sie, dass dieses Modell Zukunft hat und den herkömmlichen Arztbesuch ersetzen kann sowie die Arbeit der Ärzte und des Personals erleichtert?

Altpeter: Es erleichtert die Arbeit der Ärzte und des Personals auf jeden Fall. Den Arztbesuch kann diese Innovation nicht ersetzen, da einige Krankheiten viel zu komplex sind und eine persönlich Vorsprache in diesen Fällen für die Diagnostik und Therapieentscheidung unerlässlich ist. Ich glaube aber, dass es die Arbeitsprozesse und die Patientenführung signifikant erleichtert, welches auch Therapie unterstützend wirken kann.

*"Diabetes Coaching Study" von Prof. Stefan Martin und Dr. Kerstin Kempf

Weitere Informationen zum E-Health-Gesetz unter: bmg.bund.de
Foto: Lorraine Dindas

© B. Frommann

Das Interview führte Lorraine Dindas.
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