Neues Klassifikationssystem für Hirntumore

14.07.2015
Grafik: Blick in menschliches Gehirn zeigt Tumor

Es gab in der Vergangenheit in der Medizin immer wieder Versuche, Klassifizierungssysteme zu entwickeln. Die meisten waren zu kompliziert und stützten sich ausschließlich auf akademische Werte; © panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Trotz moderner Radiochemotherapieverfahren ist die Prognose bei malignen Gliomen äußerst schlecht. Die operative Therapie steht bisher an erster Stelle bei der Behandlung von Gliomen. Nun haben Ärzte der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein neues Auswertungsverfahren von radiologischen Bildgebungsverfahren entwickelt, die eine relativ sichere Prognose des Verlaufs der Erkrankung geben.

Ihre Erkenntnisse haben die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Das Klassifizierungssystem Friedlein Grading A/B (FGA/B) – benannt nach der Medizinerin Katharina Friedlein – erlaubt es, Tumoren schnell und sicher nach ihrer Operabilität einzuteilen. Grob skizziert charakterisieren die Erlanger Mediziner dabei die Tumoren auf Basis eines Routine-Scans im Magnetresonanztomographen (MRT) nach ihrer Lage im Gehirn: Der Kategorie FGA werden beispielsweise Tumoren zugeordnet, die nicht in funktionell wichtigen Gehirnregionen oder einer gewissen Entfernung von einer solchen Region angesiedelt sind, während die Tumoren der FGB-Kategorie nahe oder in einer funktionellen Gehirnregion liegen.

Mit der FGA/B Methode kann das Ausmaß der Tumorentfernung, das für den Erfolg der Therapie entscheidend ist, präzise, risikoarm und quantitativ sicher geplant werden. Damit ist das Friedlein Grading das erste in der Praxis tatsächlich unkompliziert anwendbare Klassifizierungssystem.

"Es gab in der Vergangenheit in der Medizin immer wieder Versuche, ein solches Klassifizierungssystem zu entwickeln – allerdings waren die meisten Ansätze viel zu kompliziert und stützten sich ausschließlich auf akademische Werte. Das machte sie für den klinischen Alltag wenig tauglich", erklärt PD Dr. Nicolai Savaskan, Lehrstuhl für Neurochirurgie an der FAU. "Die FGA/B-Methode kann auf der Basis von Standard-MRT-Scans durchgeführt werden, die von Gliom-Patienten ohnehin gemacht werden, und sie ist trotz ihrer Einfachheit hochverlässlich – wir hoffen, dass sie deshalb neurochirurgischen Kollegen auch in Krankenhäusern, die nicht zu den Maximalversorgern gehören, im Alltag ausgezeichnete Dienste leisten wird."

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)