Neues Pflegekonzept beugt Lungenentzündung vor

Nach dem Schlaganfall tut
Bewegung gut
© Neurologische Uni Heidelberg

"Dieses Pflegekonzept könnte den Krankheitsverlauf von schwerstkranken Schlaganfall-Patienten positiv beeinflussen", erklärt Professor Dr.
Werner Hacke. Schwere Komplikationen wie Lungenentzündung und Druckgeschwüre können zukünftig verhindert werden.

Bislang werden Patienten, deren Hirndruck zu hoch ist, durchweg stabil auf dem Rücken gelagert. Der Kopf wird dabei ständig leicht erhöht gehalten. Der Oberkörper des Patienten ist in einem Winkel von 30 Grad geneigt. Dadurch soll vermieden werden, dass der medikamentös gesenkte Hirndruck steigt.

"Die mangelnde Bewegung über viele Tage oder Wochen kann zu schweren Komplikationen führen", sagt Dieter Rüdiger. Vor allem wird die Lunge nicht mehr ausreichend belüftet. Hartnäckige Infektionen bedrohen den beatmeten Patienten. Auch seine Hautdurchblutung leidet, so dass vermehrt Druckgeschwüre entstehen.

Grundlage des neuen Pflegekonzeptes ist die so genannte "Kinästhetik". Dabei setzen Pfleger den eigenen Körper zur Unterstützung und Führung der Bewegung des Patienten ein. Die Neurologen entwickelten harmonische Bewegungsmuster zur Umlagerung des Patienten.

"Bislang haben wir die Umlagerung bei nur wenigen beatmeten Patienten durchgeführt", berichtet Dieter Rüdiger. Bei den zweistündlichen Umlagerungen wurde der Hirndruck kontinuierlich überwacht: Eine Sonde im Gehirn registrierte die Hirndruckwerte, eine zweite maß toxische Substanzen, die bei drohender Gewebeschädigung produziert werden.

Die Hirndruckwerte stiegen während der Mobilisation kurzfristig an. Langfristige Auswirkungen, ablesbar am Hirnstoffwechsel, waren nicht zu verzeichnen. Die Patienten entwickelten keine Lungenprobleme, auch Druckgeschwüre kamen nicht vor.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg