"Herr Doktor, in der Klinik gab es immer die kleinen blauen Pillen. Warum soll ich jetzt wieder die dicken roten einnehmen?" Mit Beschwerden dieser Art von Patienten müssen sich Hausärzte in Deutschland täglich auseinandersetzen.

Im Projekt HeiCare des Universitätsklinikums Heidelberg wird niedergelassenen Ärzten der Rhein-Neckar-Region nun eine gemeinsame elektronische Versorgungsplattform mit umfassender Expertise zur Arzneimitteltherapie angeboten.

Abstimmungsprobleme zwischen Hausarzt und Klinik sind kein Einzelfall: Fast die Hälfte aller Patienten wird bei der stationären Behandlung auf neue Medikamente umgestellt. Nach der Entlassung wird dies oft rückgängig gemacht: Rund 30 Prozent der Patienten verschreibt der Hausarzt die alten Präparate. Und etwa ein Drittel der Patienten, dies haben Untersuchungen gezeigt, nehmen ihre Medikamente gar nicht ein oder nicht so wie verordnet.

Wenn der Patient in die Universitätsklinik kommt, wird seine Arzneimitteltherapie oft umgestellt. "Das Sortiment der Klinikumsapotheke ist auf rund 3.000 Präparate beschränkt, im Gegensatz zu 60.000 verschiedenen Präparaten, die der niedergelassene Arzt verordnen kann", erklärt Professor Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie.

Bei Aufnahme des Patienten in das Klinikum werde die Therapie zunächst mit Präparaten des Hausarztes fortgeführt, falls sie medizinisch angezeigt und verfügbar sind. "Mit dem elektronischen Arzneimittelberater AiDKlinik wird dann die gesamte Therapie überprüft", berichtet Haefeli. Vor der Entlassung werde der Hausarzt schriftlich über die Arzneimitteltherapie informiert. Individuelle Erfahrungen, die der Hausarzt mit bestimmten Präparaten bei dem Patienten gemacht hat, können damit noch einfließen. Über das Internet kann der Hausarzt AiDKlinik selbst nutzen und jederzeit die Risiken und Dosierungen der Arzneimitteltherapie überprüfen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg