Neues Verfahren für regenerative Medizin

Foto: Frau am Mikroskop im Labor

Forscher wollen Patienten mit künst-
lich gezüchtetem Gewebe behandeln;
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Größere Verletzungen der Luft- und Speiseröhre, etwa nach Unfällen oder Tumorerkrankungen, sind bislang nicht behandelbar. Patienten können nur mit dauerhafter intensiver Krankenhausbehandlung überleben. Dank der regenerativen Medizin, bei der die Funktion geschädigter Gewebe durch Ersatz, beispielsweise mit Hilfe gezüchteter Zellen, wiederhergestellt wird, könnte sich dies in absehbarer Zeit ändern.

In Zusammenarbeit mit Professor Heike Walles, Leiterin der Abteilung Zellsysteme am Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB), entwickelt ein Ärzteteam um Doktor Thorsten Walles, Oberarzt an der zum Robert-Bosch- Krankenhaus gehörenden Klinik Schillerhöhe, ein Verfahren, Patienten mit schweren Luft- oder Speiseröhrenverletzungen künstlich hergestelltes körpereigenes Gewebe operativ einzusetzen. Das Implantat basiert auf einer Trägerstruktur, deren Zusammensetzung derjenigen menschlichen Gewebes ähnelt. „Auf dieser Trägerstruktur siedeln wir Zellen des Patienten an und kultivieren diese in speziellen Bioreaktoren unter physiologischen Bedingungen“, erklärt Heike Walles.

Innerhalb von vier bis fünf Wochen entsteht so mit Methoden des Tissue Engineering körpereigenes Gewebe mit einem eigenen Blutgefäßsystem. „Wir haben für bisher drei Patienten mit größeren Organdefekten an Luft- und Speiseröhre mit diesem derzeit noch experimentellen Verfahren Ersatzgewebe aus körpereigenen Zellen nachgezüchtet und hiermit die Verletzungen im Rahmen einer Operation verschlossen“, sagt Thorsten Walles. Sollte sich das Therapieverfahren im klinischen Einsatz bewähren, ist es auf andere Anwendungsgebiete in der Chirurgie übertragbar.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB