Ärzte konnten zum ersten Mal zeigen, dass auch Eltern und nahe Verwandte, die zum Organempfänger eine Gewebeunverträglichkeit und eine andere Blutgruppe haben, spenden können. In der Tübinger Uniklinik wurde eine Nierentransplantation über beide Grenzen hinweg und ohne Milzentfernung gewagt.

Vor vier Monaten erhielt ein 18-jähriger Dialysepatient die Spenderniere seiner Mutter obwohl alles gegen eine Transplantation sprach: Er hat Blutgruppe 0, die Mutter Blutgruppe B. Außerdem bildete er viele Antikörper gegen die Gewebsmerkmale seiner Mutter, es bestand eine stark positive Kreuzprobe. Ohne spezielle Vorbehandlung wäre eine transplantierte Niere unter solchen Umständen bereits auf dem OP-Tisch irreversibel abgestoßen worden.

Fitim G. kam, nachdem er eine erste Transplantatniere verloren hatte, im vergangenen Jahr drei bis viermal pro Woche in die Tübinger Kinderdialyse zur Blutwäsche. Die Aussichten, zeitnah eine neue Niere zu erhalten, standen schlecht. Das Angebot seiner Mutter, eine Niere zu spenden, wurde nach ausführlicher Beratung mit der Ethik-Kommission angenommen. Durch eine spezielle Blutwäsche (Immunabsorption) wurden sowohl die Antikörper gegen die Blutgruppe der Mutter als auch die Antikörper gegen ihre Gewebsmerkmale entfernt.

Zusätzliche Sicherheit schafften Medikamente, die das Immunsystem daran hindern, diese Antikörper nachzubilden. Im Juli 2006 konnten die Transplantationschirurgen (Prof. Alfred Königsrainer, Prof. Wolfgang Steurer) des Universitätsklinikums die gespendete Niere verpflanzen.

Seitdem sind weder im Blut noch in der Nierenbiopsie Zeichen einer antikörperbedingen Abstoßung aufgetreten. Die neue Niere funktioniert. Patienten benötigen nach einer solchen Art von Nierentransplantation offensichtlich nicht mehr Medikamente zur Immunsuppression als andere nach einer konventionellen Transplantation.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Tübingen