Neues Wissen hilft, gezielter zu lindern

Rot und schuppig – so sieht die Haut aus, wenn sie an Schuppenflechte oder der so genannten "Psoriasis" erkrankt ist. In Deutschland leiden etwa 1,6 Millionen Menschen an der chronisch entzündlichen Hauterkrankung.

Die Haut rötet sich, weil die Blutgefäße darin vermehrt und krankhaft verändert sind. Ob man diese Veränderungen als Ansatz einer neuen Therapie gezielt beeinflussen kann, das haben Hautexperten der Universitätsmedizin Göttingen zusammen mit anderen Forschern in Europa genauer untersucht.

Erstmals konnten sie dabei nachweisen: Eine gezielte Therapie gegen die typische Rötung kann auch andere auffällige Anzeichen der Krankheit erfolgreich lindern. Das Ergebnis ihrer Grundlagenforschung könnte ein alternativer und zusätzlicher Ansatz in der Behandlung von Schuppenflechte werden.

Bisher zielt die Behandlung vor allem darauf ab, die Entzündungsprozesse in der Haut zu normalisieren.

Der Blick durchs Mikroskop in die kranke Haut hinein brachte den Forschern erste Einsichten: Zu sehen ist eine vermehrte Blutgefäßbildung. Da fallen dickere und verlängerte Blutgefäße auf. Durch diese strömt vermehrt Blut und führt zu der von außen sichtbaren Rötung der Haut bei Schuppenflechte. Die Frage der Wissenschaftler war: Führt eine Normalisierung der übermäßigen Blutgefäßbildung dazu, dass sich die Rötung und sogar der Verlauf der Schuppenflechte bessern?

Doktor Katrin Wallbrecht und Professor Michael P. Schön, Direktor der Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen arbeiteten dabei im EU-Verbundprojekt "ANGIOSKIN" eng mit dem Gentofte Hospital in Kopenhagen sowie anderen Forschern aus Europa zusammen.

Das Ergebnis ihrer experimentellen Untersuchungen: "Eine Behandlung gegen das übermäßige Auswachsen von Blutgefäßen, die so genannte Anti-Angiogenese, ist möglich. Sie verhindert die Ausbildung von Blutgefäßen. Durch eine solche zusätzliche Behandlung kann sogar eine bestehende entzündliche Hauterkrankung deutlich verbessert werden", sagt Schön.

Bei ihren Forschungen setzen die Wissenschaftler eine neue Technik, die "non-virale somatische Gentherapie" ein. Damit gelang es ihnen, ein spezielles Eiweiß (Protein) in die Haut zu transportieren, das "anti-angiogen" wirkt und so die Neubildung von Blutgefäßen hemmt. Um die ablaufenden Prozesse in der Haut beobachten zu können, wurde zudem ein fluoreszenz-gekoppeltes Reporterprotein miteingeschleust.

"In allen drei Mausmodellen, die wir untersucht haben, konnten wir sehen, dass das anti-angiogen wirkende Eiweiß, eine Disintegrin- und Metallopeptidase-Domäne von ADAM-15, tatsächlich wirkt", sagt Wallbrecht. "Die vorübergehende Expression der Disintegrin-domäne (RDD) blockiert die Überproduktion von Blutgefäßen (Angiogenese) in der Haut."

Einige Effekte der neuen Behandlungsidee konnten die Forscher bereits mit bloßen Augen sehen: So zeigten sich die typischen entzündlichen Hautveränderungen wesentlich verbessert. Andere Effekte wurden mit hochauflösendem Ultraschall sichtbar. So ließ sich ein verringerter Blutfluss in der obersten Lage der Unterhaut nachweisen. Aber auch andere Angiogenese- und Entzündungskennzeichen, wie die erhöhte Blutgefäßdichte, die für Schuppenflechte typische, zu schnelle Erneuerungsrate und Verdickung der Oberhaut sowie das äußere Erscheinungsbild mit Rötung und Schuppung der Haut waren insgesamt verbessert.

Die Ergebnisse liegen derzeit nur in der Phase der Grundlagenforschung mit Mäusen vor.

MEDICA.de; Quelle: Universität Göttingen