Neurofeedback hilft Kindern mit ADHS

Foto: Kind vor Computer

Patrick (10) beim Neurofeedback-
Training; © Uni-Klinikum Erlangen

An der Studie nahmen von 2005 bis 2007 insgesamt 102 Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Alter zwischen acht bis zwölf Jahren in Erlangen, Göttingen und München teil. Die Kinder absolvierten entweder ein Neurofeedback- Training oder ein herkömmliches computergestütztes Aufmerksamkeitstraining.

Beim Neurofeedback-Training sitzt das Kind vor einem Computerbildschirm. Seine Gehirnströme werden über aufgeklebte Mess- Elektroden abgeleitet und steuern ein Computer-Programm. Je nach Konzentrationsgrad kann das Kind beispielsweise mit seiner Gedankenkraft bei einem virtuellen Fußballspiel einen Elfmeter-Schuss halten oder bei einem Film das Bild klar und deutlich sehen.

Die Trainingsprogramme umfassten 18 doppelstündige Termine, aufgeteilt in zwei Blöcke mit je vier Wochen. Sowohl im Eltern- als auch Lehrerurteil schnitt das Neurofeedback-Training deutlich besser ab als das Vergleichstraining. In den Problembereichen "Unaufmerksamkeit" und "Hyperaktivität-Impulsivität" konnte das Neurofeedback-Training die Symptomatik um durchschnittlich 25 - 30 Prozent reduzieren.

"Mit diesem computergestützten Verfahren können Kinder mit ADHS selber Strategien erarbeiten, um sich besser zu konzentrieren und ihr Verhalten zu steuern", sagt Doktor Hartmut Heinrich aus der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Erlangen. Allerdings kann eine Neurofeedback- Therapie voraussichtlich nur in Einzelfällen die bisher bei ADHS übliche medikamentöse Behandlung ersetzen.

Die Studie belegt aber, dass Neurofeedback als weiterer klinisch wirksamer Therapiebaustein zur Behandlung von Kindern mit ADHS neben der Medikation und anderen verhaltenstherapeutischen Ansätzen betrachtet werden kann. "Es ist wichtig, dass die Kinder bei der Therapie aktiv mitarbeiten und ihre Eltern sie beim Transfer der erlernten Selbstregulations-Strategien in den Alltag unterstützen", erläutert Holger Gevensleben, Diplompsychologe an der Göttinger Kinder- und Jugendpsychiatrie.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg