Neuronales Netzwerk im Gehirn unterdrückt Schmerz

Männliche Handwerker haben keine
verminderte Schmerzempfindung
© Hemera

Patientinnen mit Borderline- Persönlichkeitsstörung (BPS) fügen sich selbst Verletzungen zu und empfinden wenig Schmerzen. Frühere Studien zeigten, dass die Schmerzentstehung und Weiterleitung völlig normal funktioniert und dass die schmerzverarbeitenden Nervenzellen im Gehirn zunächst noch normal auf wehtuende Reize reagieren.

Der Neurophysiologe Dr. Wolfgang Greffrath von der Johannes Gutenberg- Universität Mainz warf einen genaueren Blick auf dieses Phänomen. Er und Kollegen verglichen wie Schmerzreize im Gehirn von Patientinnen mit BPS verarbeitet werden mit gesunden Personen. Hierfür wurden sowohl objektiv identische als auch subjektiv gleich schmerzhaft empfundene Hitzereize auf den Handrücken der Versuchspersonen gegeben. Das wurde von den Teilnehmerinnen subjektiv bewertet und mittels Kernspintomographie wurden aktivierte Hirnareale identifiziert.

Objektiv identische Hitzereize von 43°C wurden von den Patientinnen subjektiv als weit weniger schmerzhaft empfunden als von den Gesunden. Auch wurde das Gehirn objektiv weit weniger stark aktiviert als das der Kontrollpersonen. Um denselben Schmerz zu empfinden, musste die Temperatur um fast 3°C gegenüber Gesunden erhöht werden.

Auch hierbei gab es Unterschiede: Der dorsolaterale präfrontale Kortex zeigte unmittelbar nach der Hitzereizung bei den Borderline- Patientinnen eine erhöhte Aktivität. In der Hirnrinde des vorderen Cingulums und in der Amygdala war die Aktivität deutlich reduziert.

Patientinnen mit Borderline-Störung scheinen eine erhöhte kognitive Kontrolle zu haben, weniger Schmerzen zu empfinden. "Somit verfügt unser Gehirn offensichtlich über sehr effektive neuronale Netzwerke zur Unterdrückung von Schmerzen. Wenn wir diesen Mechanismus genauer verstehen, können wir möglicherweise in Zukunft von den Borderline- Patientinnen lernen, wie wir chronischen Schmerzpatienten besser helfen können", so die Autoren.

MEDICA.de; Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz