Verschiedene, groß angelegte Studien haben gezeigt, dass Menschen mit homosexueller oder bisexueller Orientierung ein erhöhtes Risiko haben, psychiatrisch zu erkranken. Dazu gehören unter anderem Suizidversuche, Drogenmissbrauch, Angststörungen und Depressionen. Pathologisches Essverhalten und Gewichtsprobleme kommen häufiger bei Männern vor, die eine nicht-heterosexuelle Orientierung haben als bei Heterosexuellen.

In einer Studie sollte jetzt untersucht werden, ob auch die Symptome einer Bulimie, die ja bekanntlich bei Frauen häufiger vorkommt als bei Männern, mit der sexuellen Orientierung zusammen hängen. An dieser Studie nahmen 2.924 norwegische Gymnasiastinnen und Gymnasiasten teil. Sie füllten einen umfangreichen Fragebogen aus, in dem sie unter anderem Auskunft über ihr Gewicht, die Selbsteinschätzung ihres Gewichtes sowie ihr Essverhalten gaben. Außerdem befragte man sie zu ihrer sexuellen Orientierung. Fünf Jahre später beantworteten sie diese Fragen erneut.

7,3 Prozent der Jugendlichen hatten zu Beginn der Studie bulimische Störungen. Fünf Jahre später waren es 5,4 Prozent. Die Prävalenz bulimischer Symptome war bei den Mädchen höher als bei den Jungen (p kleiner 0.0001).

2,9 Prozent der Befragten berichteten vor Beginn der Studie über sexuelle Erfahrungen mit demselben Geschlecht. Für beide Geschlechter galt: Jugendliche, die zu Beginn der Studie über Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht verfügten, hatten ein erhöhtes Risiko, fünf Jahre später an bulimischen Symptomen zu leiden. Dieser Zusammenhang war auch noch nachweisbar, nachdem man verschiedene Störfaktoren und andere potentielle Risikofaktoren für eine Bulimie herausgerechnet hatte. Jugendliche mit verschiedenen nicht-heterosexuellen Neigungen neigen also zur Bulimie.

MEDICA.de; Quelle: International Journal of Eating Disorders 2006, Vol. 39, S. 448-453