Verschiedene Studien haben ergeben, dass die Mortalität steigt, wenn Patienten mit einem koronaren Bypass (coronary artery bypass grafting: CABG) oder Brandwunden Erythrozytenkonzentrate erhalten. Allerdings hatten all diese Studien Schwächen. So waren zum Beispiel die Fallzahlen durchweg gering.

US-Mediziner aus dem Bundesstaat Ohio haben nun eine Studie mit wesentlich größeren Fallzahlen durchgeführt. Sie analysierten die Daten von rund 12.000 Patienten, die sich zwischen 1995 und 2002 einem CABG unterzogen hatten. Etwa die Hälfte von ihnen erhielt mindestens eine Einheit Erythrozytenkonzentrate.

Selbst nachdem die Wissenschaftler verschiedene störende Faktoren herausgerechnet hatten wie Demographie, Blutwerte Ko-Erkrankungen und anderes, zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Gabe von Erythrozytenkonzentraten und einer steigenden Mortalität: Im Vergleich zu jenen Patienten, die keine Erythrozytenkonzentrate erhalten hatten, lag die Mortalität bei jenen Patienten, denen man eine solche Einheit verabreicht hatte, 77 Prozent höher (p kleiner 0.0001). Offenbar gibt es sogar eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mit steigender Anzahl von Konzentrat-Einheiten steigt die Mortalität an. Besonders hoch ist sie nach der Gabe von fünf Einheiten oder mehr.

Auch das Risiko für Nierenversagen, Beatmungspflichtigkeit, schwere Infektionen, kardiale Morbidität und neurologische Komplikationen steigt mit der Gabe von Erythrozytenkonzentraten an.

Die Wissenschaftler glauben, zumindest für den CABG eine Erklärung für die erhöhte Mortalität gefunden zu haben. Möglicherweise, so die Forscher, führt die Gabe von Erythrozytenkonzentraten zu einer ungünstigen immunmodulatorischen Antwort, zum Beispiel zu einer Abnahme der frei zirkulierenden Lymphozyten.

MEDICA.de; Quelle: Critical Care Medicine 2006, Vol. 34, S. 1602-1616