Frühere Studien haben gezeigt, dass Folsäure und Vitamin B 6 einen positiven Effekt auf kardiovaskuläre Erkrankungen haben sollen. Sie senken die Blutspiegel von Homozystein, von dem man annimmt, dass es die Endothelien der Blutgefäße schädigt. Einige Ärzte gingen daher so weit, ihren Patienten Vitamin B zu verschreiben, um sie vermeintlich zu schützen.

Andere Signale kommen jetzt aber von einer Studie, die beim Jahreskongress der „European Society of Cardiology“ in Stockholm vorgestellt wurden. An der „Norwegian Vitamin Trial (NORVIT)“ nahmen 3.749 Patienten teil. Alle hatten in den sieben Tagen zuvor eine Herzattacke erlitten. Randomisiert erhielten sie drei Jahre lang entweder Vitamin B beziehungsweise Folsäure oder Placebo, jeweils zusätzlich zur Standardtherapie. Die vier Studienarme im Einzelnen: 0,8 mg Folsäure pro Tag oder 40 mg Vitamin B 6, beides oder Placebo.

Nach dreieinhalbjähriger Nachbeobachtungszeit zeigte sich zwischen den Gruppen keinerlei signifikanter Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von tödlichen oder nicht-tödlichen Herzinfarkten beziehungsweise Schlaganfällen. In der Gruppe der Patienten, die Folsäure und Vitamin B 6 einnahmen, stieg das Risiko für einen Myokardinfarkt beziehungsweise Schlaganfall sogar um 20 Prozent. In der Gruppe, die nur Folsäure einnahmen, stieg zudem das Krebsrisiko an, auch wenn der Anstieg keine statistische Signifikanz erreichte.

Obwohl der Homozystein-Spiegel durch die Folsäure um 30 Prozent gesenkt werden konnte, zeigte sich kein Einfluss auf kardiovaskuläre Erkrankungen. Kaare Bonaa aus Tromso in Norwegen, die die NORVIT-Studie leitete, sagte in Stockholm: „Die Homozystein-These ist tot.“ Wahrscheinlich, so die Wissenschaftlerin, sei Homozystein nur eine Art Mitläufer, der scheinbar Schaden anrichte, in Wahrheit aber harmlos sei.

MEDICA.de; Quelle: European Society of Cardiology (ESC) Jahreskongress 2005