Nicht jeder muss behandelt werden

Jedes Auge individuell betrachten
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Ein individuelles Risikoprofil erleichtert Ärzten die Entscheidung, ob ein erhöhter Augeninnendruck behandelt werden soll. Dass ein erhöhter Augeninnendruck bei der Entstehung eines Glaukoms eine wichtige Rolle spielt ist unumstritten, doch waren Experten sich bislang nicht einig, ob ein erhöhter Druck von mehr als 21 Millimeter Quecksilbersäule grundsätzlich behandelt werden sollte, selbst wenn noch keine Schäden am Sehnerv vorliegen. Diesen Wert haben in Deutschland schätzungsweise eine Million Menschen.

Denn es gibt Patienten, die von einem Glaukom verschont bleiben, obwohl der Augeninnendruck nicht gesenkt wird. Wissenschaftliche Studien aus den USA und Europa geben betroffenen Patienten und Augenärzten nun zusätzliche Hinweise, welche die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung im Einzelfall erleichtern. Ziel der Untersuchungen war die Suche nach weiteren Risikofaktoren, die bei Patienten mit einem erhöhten Augeninnendruck das Erkrankungsrisiko erhöhen. Beide Untersuchungen kommen zu identischen Ergebnissen.

Das individuelle Risiko der Patienten, an einem Glaukom zu erkranken wird gesteigert durch:
  • höheres Alter

  • die absolute Höhe des Augeninnendrucks

  • die Dicke der Hornhaut

  • Pseudoexfoliationsmaterial (Zellabfall, der auf der Linse nachgewiesen werden kann

  • schon vorbestehende Aushöhlung des Sehnerven

  • schwankende Angaben bei der Gesichtsfeldprüfung

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft rät, dass Menschen über 40 Jahren sich beim Augenarzt den Augeninnendruck messen und den Sehnerv beurteilen lassen sollten. Ist der Augeninnendruck erhöht ist dieser Befund alleine jedoch kein Grund für eine Behandlung. Kommen jedoch weitere Risikofaktoren hinzu, können Patient und Arzt aufgrund des individuellen Risikoprofiles eine Therapie-Entscheidung treffen.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften