Nicht jedes Interferon ist gleich

Foto: Immunhistologischer Schnitt durch das Darmgewebe

Immunhistologischer Schnitt durch
das Darmgewebe einer acht Tage
alten Typ I Interferon Rezeptor-
defizienten Maus, vier Tage nach
Infektion mit Rotaviren; © MHH/
Pott; Stockinger;Hornef

Von Interferonen sind unterschiedliche Arten bekannt. Vor allem Typ I (IFN-alpha/beta) und Typ III (IFN-lambda) sind beim Schutz gegen Viren beteiligt. Unklar war bisher allerdings die spezifische biologische Bedeutung von Typ III-Interferon. In verschiedenen Infektionsmodellen unterschieden sich Mäuse, denen der Rezeptor für Typ III-Interferon fehlte nur wenig von Wildtypmäusen. Im Unterschied dazu waren Mäuse ohne den Rezeptor für Typ I-Interferon deutlich empfindlicher gegenüber vielen Infektionen.

Arbeiten der Wissenschaftlerinnen Johanna Pott und Doktor Silvia Stockinger aus der Arbeitsgruppe von Professor Mathias Hornef am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der MHH konnten nun erstmals die biologische Bedeutung von Typ III-Interferon bei der antiviralen Wirtsabwehr identifizieren.

Die Forscherinnen verwendeten dabei das Modell einer oralen Rotavirusinfektion bei Mäusen. Rotaviren sind hochgradig ansteckende Erreger, die bei Menschen zu Erbrechen und Durchfall führen können. Weltweit stellen Rotaviren eine der häufigsten Ursachen für schwere Magen-Darm-Erkrankungen dar. Das Virus infiziert und schädigt in einem ausgeprägten Maß die auskleidende Zellschicht, die Epithelzellen im Darm.

Mit Hilfe unterschiedlicher Methoden wie Immunhistologie, Bestimmung der Virusausscheidung und Genexpressionsanalysen konnten Pott und Stockinger zeigen, dass das Typ III-Interferon spezifisch für den Schutz von Epithelzellen im Darm und damit für den Schutz vor einer Rotavirusinfektion zuständig ist. Typ I-Interferon führt hingegen zur Produktion virushemmender Stoffe in Zellen des darunterliegenden (subepithelialen) Gewebes. Typ I-Interferon kann dabei nicht wirksam vor einer Rotavireninfektion schützen, da diese Viren vor allem Darmepithelzellen infizieren. Die Forschungsergebnisse, die die MHH-Wissenschaftlerinnen in Zusammenarbeit mit Professor Peter Stäheli vom Uniklinikum Freiburg und Professor Thomas Michiels von der Universität Brüssel gewonnen haben, führen zu einem besseren Verständnis der Interferone und identifizieren Typ III-Interferon als mögliches therapeutisches Target für die Behandlung bestimmter Viruserkrankungen.


MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover