Niedriger Testosteronspiegel liegt oft in den Genen

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) liefern die Forschungsergebnisse wichtige Informationen für die Behandlung von Männern mit Testosteronmangel. Eine medikamentöse Therapie sei jedoch nur nach eingehender fachärztlicher Diagnose und endokrinologischer Beratung zu empfehlen, so die DGE.

Testosteron bewirkt beim Mann die Ausprägung der Geschlechtsmerkmale, Bartwuchs, Muskelaufbau und beeinflusst den Knochen-, Zucker- und Fettstoffwechsel. Testosteronspiegel gleichaltriger Männer weisen jedoch erhebliche Unterschiede auf. Die Ursache hierfür war bislang unklar. Um die Rolle der Erbsubstanz für die Steuerung des Testosteronspiegels zu untersuchen, hat eine internationale Forschergruppe die Gene von weltweit mehr als 14 000 Männern analysiert.

Die beteiligten Greifswalder Forscher steuerten Untersuchungsdaten und Blutproben von mehr als 2000 männlichen Probanden aus der Region bei. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ein niedriger Testosteronspiegel bei Männern mit genetischen Variationen unter anderem auf dem X-Chromosom einhergeht. Bei Studienteilnehmern mit drei oder mehr Genvarianten, bestand ein vielfach höheres Risiko für einen niedrigen Testosteronspiegel als für Männer, deren Gene nicht abwichen.

Wissenschaftler des Greifswalder Metabolic Center zeigten in begleitenden Analysen, dass niedriger Testosteronspiegel im Blut häufig mit Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und der Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verknüpft sind. „Die identifizierten Genorte könnten helfen, den funktionellen Hintergrund des gezeigten Zusammenhangs zwischen niedrigen Testosteronspiegeln und kardiovaskulären Risikofaktoren besser zu verstehen“, sagt Professor Jörg Gromoll, Präsident der. Der Einfluss der Gene auf den Testosteronspiegel ist vom Aspekt der Prävention und natürlich auch für die Therapie bedeutsam, ist Gromoll überzeugt.

„Die genetische Komponente für den Zusammenhang von Testosteronmangel und bestimmten Erkrankungen muss weiter erforscht werden“, sagt Professor Helmut Schatz. Denn auch Übergewicht und Testosteronmangel beeinflussen sich gegenseitig. Demnach kann übergewichtigen Männern mit Testosteronmangel eine dauerhafte Gewichtsabnahme helfen. Dies gelinge in der Praxis aber nur wenigen betroffenen Männern. Andererseits purzeln bei Männern mit einem Typ-2-Diabetes unter Testosterontherapie die Pfunde. „Testosteron ist zwar als Medikament verfügbar“, sagt Schatz, „ein niedriger Testosteronspiegel allein rechtfertigt jedoch keine Hormontherapie“. Die Entscheidung für eine Behandlung müsse deshalb vom Endokrinologen auf jeden Patienten genau abgestimmt sein.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)