Niedrige Serum-Östrogenspiegel haben bei älteren Männern einen stärkeren Zusammenhang mit geringer Knochendichte als niedrige Testosteronspiegel. Ob niedrige Östrogenspiegel aber auch zu Frakturen des Oberschenkelhalses führen, war bislang weitgehend unerforscht.

Wissenschaftler um Dr. Shreyasee Amin vom Mayo Clinic College of Medicine in Rochester, Minnesota, USA, haben sich jetzt dieser Frage angenommen. Sie nutzten Daten der Framingham Study und untersuchten 792 Männer im Durchschnittsalter von 71 Jahren. In den frühen 80er Jahren waren bei diesen Männern verschiedene Parameter des Knochenstoffwechsels gemessen worden. Dann hatte man diese Männer bis zum Jahre 1999 nachverfolgt. Je nach Östrogenspiegel teilte man die Männer in drei Gruppen ein.

Während des Nachverfolgungszeitraums erlitten 39 Männer eine nichttraumatische Oberschenkelhalsfraktur. Bei jenen Männern, deren Östrogenspiegel im mittleren bis hohen Bereich lag, traten rechnerisch 3,4 bis 3,9 nichttraumatische Oberschenkelhalsfrakturen pro 1.000 Personenjahre auf. In der Gruppe mit dem niedrigsten Östrogenspiegel war die Rate viel höher. Hier lag sie bei 11,0 pro 1.000 Personenjahre.

Nachdem man verschiedene Faktoren wie BMI, Größe und Raucherstatus herausgerechnet hatte, zeigte sich: Niedrige Östrogenspiegel verdreifachen etwa das Risiko einer nichttraumatischen Oberschenkelhalsfraktur im Vergleich zu hohen Östrogenspiegeln. Durchschnittliche Östrogenspiegel hatten, wie erwartet, keinen Einfluss auf die Frakturhäufigkeit. Besonders hoch ist das Frakturrisiko dann, wenn auch die Testosteronspiegel erniedrigt sind. In solchen Fällen erhöht sich das Risiko sogar um das 6,5fache.

Diese Erkenntnisse könnten helfen, einen Schwellenwert zu definieren, bei dem eine prophylaktische Behandlung sinnvoll ist.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Medicine 2006, Vol. 119, S. 426-433