Bild: West-Nil-Viren 
Das West-Nil-Virus wütet noch
nicht in Deutschland; © BNI

Das Virus war in der Vergangenheit vereinzelt in Südeuropa aufgetreten und hat sich in den USA seit 1999 rasant verbreitet. Die Ergebnisse einer umfangreichen Studie des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI), Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass derzeit kein Infektionsrisiko besteht. "Angesichts des Klimawandels brauchen wir aber mehr solcher Studien, viele Fragen kann die Forschung noch nicht beantworten", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Bei einer West-Nil-Virus-Infektion entwickelt jeder fünfte Infizierte eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Bei jeder 150. infizierten Person kommt es zu einem schweren Verlauf, etwa zu einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung, die in seltenen Fällen, vor allem bei älteren Patienten, tödlich endet.

Im Rahmen der Studie untersuchte das RKI in den vergangenen drei Jahren Blutproben von mehr als 3.000 Vögeln, knapp 200 Pferden und von mehr als 100 Menschen mit neurologischen Symptomen wie Enzephalitis. Das PEI analysierte die Blutproben von knapp 15.000 Blutspendern; das BNI entwickelte einen genaueren Erregernachweis.

Die RKI-Wissenschaftler fanden in Abhängigkeit von der untersuchten Vogelart in zwei bis 20% der Fälle spezifische Antikörper, "Fußspuren" des Virus im Immunsystem. Da es sich vorwiegend um Zugvögel aus Afrika handelte, ist eine Infektion der Tiere im Ursprungsland des Erregers oder auf dem Zugweg anzunehmen. Bei keinem der Vögel wurde das Virus selbst nachgewiesen. Negativ war die Suche nach Viruserbgut auch bei Pferden mit neurologischen Symptomen und bei Patienten mit Gehirnentzündung oder Hirnhautentzündung unklarer Ursache.

Das PEI fand unter etwa 15.000 untersuchten Personen lediglich in vier Fällen Antikörper, die auf eine frühere Infektion hinwiesen. Ob diese Personen im In- oder Ausland infiziert wurden, war nicht mehr zu klären. Bei der Untersuchung von weiteren 10.000 Blutspendern auf frische Infektionen konnte im Sommer 2005 ausgeschlossen werden, dass das Virus in Deutschland zirkulierte.

MEDICA.de; Quelle: Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin