Nur 27 Sekunden für eine normale Entwicklung

Foto: Ein Baby

Je früher der Test desto besser
© Hemera

"Es dauert im Schnitt 21 bis 47 Monate, bis bei einem Baby die Schwerhörigkeit diagnostiziert wird - das ist eine dramatisch lange Zeit", sagt Professor Antoinette am Zehnhoff- Dinnesen, Leiterin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie am Universitätsklinikum Münster (UKM). Denn die wichtigsten Grundlagen, die für die Sprachentwicklung gebraucht werden, legen sich innerhalb des ersten Lebensjahres.

Die Tracking-Zentrale will deshalb erreichen, dass alle Geburtskliniken in Westfalen-Lippe ihre Screening-Daten an die Zentrale schicken. Bei einem kontrollbedürftigen Ergebnis in der Geburtsklinik bekommen die Eltern die Empfehlung für eine Ausschlussdiagnostik innerhalb von vier Wochen zusammen mit einer Liste aller Fachärzte im Umkreis ausgehändigt.

"Alle Pädaudiologen in der Region haben uns zugesagt, die Babys mit den auffälligen Befunden innerhalb kürzester Zeit zu diagnostizieren", erklärt am Zehnhoff-Dinnesen. Hat die Zentrale innerhalb von vier Wochen noch keine Resonanz bekommen, werden die Eltern angeschrieben.

"Ist dann erneut eine Zeit verstrichen, ohne dass uns Daten einer Bestätigungsdiagnose vorliegen, würden wir die Eltern auch anrufen", sagt die Pädaudiologin. Das Thema sei einfach zu wichtig. Können Babys schon in den ersten Monaten nicht gut hören, kann es zu Wahrnehmungsstörungen, zu Störungen der Sprachentwicklung sowie der emotionalen und psychosozialen Entwicklung kommen. "Und schließlich auch zu Einschränkungen der schulischen und beruflichen Möglichkeiten", so Matulat.

"Wir wollen erreichen, dass die Kinder mit den auffälligen Befunden eine ausführliche Hördiagnostik innerhalb der ersten drei Lebensmonate und - wenn nötig - Hörgeräte innerhalb der ersten sechs Monate bekommen. Dafür steht die Zentrale", betont am Zehnhoff-Dinnessen. In Westfalen-Lippe gibt es 96 Geburtenkliniken, 34 von ihnen bieten standardmäßig das Neugeborenen-Screening an. "Noch immer zu wenige", sagt die Expertin.

Ihre Hoffung ist, dass alle Kliniken in Westfalen- Lippe das Screening anbieten und die Daten anschließend an die Zentrale vermitteln. Am Zehnhoff-Dinnesen: "Wir reden über durchschnittlich 27 Sekunden Hörtest, den die Kinder häufig gar nicht mitbekommen. Der Nutzen dieser 27 Sekunden ist jedoch unschätzbar."

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Münster