Jugendliche: Nur 43 Prozent gehen zur Vorsorge

29.04.2013
Foto: Untersuchung

Während noch 80-100 Prozent der Kinder an der Vorsorge U1-U9 teilneh-
men, besuchen nur noch 43 Prozent der Jugendlichen den Check-Up J1;
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Nur 43 Prozent aller Jugendlichen nehmen an der Gesundheitsuntersuchung J1 teil. Dies belegt erstmals eine bundesweite Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas.

Die Detail-Analyse der Daten offenbart allerdings auch gravierende regionale Unterschiede: Während in manchen Regionen nur jeder fünfte Jugendliche das Angebot in Anspruch nimmt, glänzen andere mit Teilnehmerraten knapp unter 70 Prozent.

Der Check-up J1 kann dazu beitragen, körperliche und psychische Probleme von Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. Doch wer sich fit und gut drauf fühlt, hat in diesem Alter zumeist andere Prioritäten. Während an den Vorsorgeuntersuchungen im Kindesalter (U1-U9) noch 80 bis 100 Prozent der Kinder teilnehmen, rauschen die Teilnahmezahlen bei den späteren Untersuchungen nach unten. Wie eine erste bundesweite Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas nun belegt, nehmen nur 43 Prozent der gesetzlich versicherten Jugendlichen die J1-Untersuchung in Anspruch. „Die Rate in unserer Studie liegt zwar über jenen anderer Untersuchungen“, sagt Doktor Sandra Mangiapane, die Leiterin des Versorgungsatlasses, „gleichwohl muss alles getan werden, um mehr Jugendliche zur Teilnahme zu motivieren.“

Dass dieses möglich ist, belegen die deutlichen regionalen Unterschiede sowohl auf der Ebene der Bundesländer als auch auf Kreisebene. Der Stadtstaat Bremen führt beispielsweise mit einer Teilnahmerate von 52 Prozent das Ranking der Bundesländer an. „Diese überdurchschnittlich hohen Teilnahmeraten könnten mit der verstärkten Aktivität des Gesundheitsdienstes in Bremer Schulen in Beziehung stehen“, vermuten die Experten vom Versorgungsatlas. „Bei uns funktioniert nicht nur die Aufklärungsarbeit in den Schulen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheitsdienst und den niedergelassenen Ärzten“, bestätigt Doktor Gabriele Sadowski, die Leiterin der Sozialpädiatrischen Abteilung des Gesundheitsamtes Bremen.

Der Spitzenreiter auf Kreisebene liegt in Nordrhein-Westfalen: Im Landkreis Mettmann nahmen 69,7 Prozent der Jugendlichen an der Untersuchung teil. Die Nachfrage der Experten vom Versorgungsatlas vor Ort ergab: Die Gesundheitsbehörden hatten nicht nur die Eltern, sondern auch die Jugendlichen selbst persönlich angeschrieben. „Diese direkte und persönliche Ansprache und damit Wertschätzung scheint bei den jungen Leuten gut angekommen zu sein“, sagt Doktor Peter Potthoff, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein.

In den neuen Bundesländern lagen die Teilnehmerraten bei der Analyse unter dem Durchschnitt und unter den Raten der alten Bundesländer. Allererste Daten aus Sachsen-Anhalt und Brandenburg aus dem letzten Jahr deuten aber darauf hin, dass verschiedene Initiativen zur Motivation der Jugendlichen ebenfalls erste Erfolge zeigen.

Aufgrund der geringen Teilnahmeraten an der J1-Untersuchung haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) bereits im vergangenen Jahr eine Kampagne „Your Next Top Check-Up J1“ gestartet, um Jugendliche auf das Früherkennungsprogramm aufmerksam zu machen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte plant ebenfalls entsprechende Aktivitäten.

MEDICA.de; Quelle: Versorgungsatlas