Bislang ist man davon ausgegangen, dass Frauen mit BRCA-Mutation nach einer prophylaktischen Mastektomie noch immer ein Risiko von fünf Prozent haben, trotz allem an einem Mammakarzinom zu erkranken. Daher haben Wissenschaftler lange darüber debattiert, ob man solche Frauen selbst nach einer prophylaktischen Amputation beider Brüste regelmäßig einem Brustkrebsscreening unterziehen sollte. Dies ist überflüssig, behauptete jetzt Dr. Reinie Kaas vom Netherlands Cancer Institute in Amsterdam, Niederlande, bei der sechsten European Breast Cancer Conference.

Die niederländische Wissenschaftlerin konnte bei ihrer Studie auf 251 Frauen zurück greifen, die sich wegen einer gesicherten BRCA-Mutation einer einseitigen oder beidseitigen prophylaktischen Mastektomie unterzogen hatten. Standardmethode war dabei die hautsparende Mastektomie mit sofortigem Wiederaufbau der Brust durch Implantate. Etwa zwei Drittel der betroffenen Frauen hatten eine BRCA1-Genmutation, die anderen eine Mutation vom Typ BRCA2.

Nur bei einer der 251 betroffenen Frauen (0,4 Prozent) entwickelte sich im Laufe des Nachbeobachtungszeitraums dennoch ein Mammakarzinom, und zwar im Bereich der Achselhöhle, dessen Gewebe nicht vollständig entfernt worden war. Sechs Jahre nach der Mammakarzinombehandlung ist diese Patientin beschwerdefrei, berichtete die Wissenschaftlerin beim Kongress.

Die Epidemiologen ihrer Arbeitsgruppe würden zur Zeit errechnen, wie viele Mammakarzinome durch die prophylaktische Mastektomie verhindert wurden, sagte Kaas weiter. Aber schon jetzt könne man sagen, dass das Mammakarzinomscreening nach einer solchen Totaloperation in keinem Verhältnis zum Nutzen stünde, zumal es viel Zeit, Geld und Nerven koste.

MEDICA.de; Quelle: 6th European Breast Cancer Conference (EBCC) Abstracts 18 and 109