Nutzen der allogenen Stammzelltransplantation mit nicht verwandtem Spender nicht ausreichend untersucht

Denn es fehlten Studien, die diese Therapie mit einer autologen Transplantation oder einer konventionellen Chemotherapie ohne Stammzelltransplantation vergleichen. Die wenigen Studien, die einen Vergleich mit einem Transplantat eines verwandten Spenders anstellen, lieferten weder Belege noch Hinweise auf einen Vorteil.

Aus den Studien lässt sich allerdings auch nicht ableiten, dass die beiden Verfahren gleichwertig sind. Unter besonderen Voraussetzungen hält es das IQWiG dennoch für gerechtfertigt, bestimmten Patientinnen und Patienten eine allogene Transplantation auch mit nicht verwandtem Spender anzubieten.

Das Hodgkin-Lymphom ist eine relativ seltene bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems. In Deutschland erkranken jährlich etwa 2000 Menschen. Für diese Patienten ist eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie die Standardbehandlung; rund 80 Prozent können auf diese Weise geheilt werden. Bei den übrigen sprechen die Tumorzellen nicht auf die Behandlung an oder die Erkrankung tritt nach zunächst erfolgreicher Therapie erneut auf. Deshalb wird in bestimmten Fällen empfohlen, eine Stammzelltransplantation anzuschließen.

Dabei wird zunächst mit einer Hochdosis-Chemotherapie das kranke Knochenmark des Patienten zerstört. Anschließend werden Stammzellen eines Spenders übertragen, die sich im Knochenmark ansiedeln. Sie werden ihm vor der Hochdosis-Chemotherapie entnommen und danach wieder rückübertragen. Stammt das Transplantat von einem anderen Spender, spricht man von einer allogenen Stammzelltransplantation.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG beauftragt, die allogene Stammzelltransplantation mit nicht verwandtem Spender zu bewerten. Dazu sollte diese für erwachsene Patienten mit der autologen Transplantation oder einer Chemotherapie ohne Stammzelltransplantation verglichen werden. Außerdem sollten unter anderem Nutzen und Schaden einer allogenen Transplantation von verwandten und von nicht verwandten Spendern gegenübergestellt werden.

Nur zu der letzten Fragestellung konnte das IQWiG Studien finden. Das war enttäuschend, weil das Institut seine Suche sehr breit angelegt hatte und auch Studientypen einbezogen hätte, die prinzipiell nur begrenzt aussagekräftig sind, wie etwa auch Daten aus Registern. Für den Vergleich zwischen nicht verwandtem und verwandtem Spender bei der allogenen Stammzelltransplantation standen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern letztlich 8 Studien zur Verfügung, darunter zwei Registerauswertungen.

Aus diesen Studien ließ sich aber nicht eindeutig ableiten, welcher Spendertyp für Patienten mit Hodgkin-Lymphom die besseren Erfolgsaussichten bietet. Wesentlich ist, dass die Studien auch keine Aussagen darüber zuließen, ob die beiden Verfahren gleichwertig sind.

Für unabdingbar halten die Experten des IQWiG, dass Patienten vor einer Entscheidung für oder gegen eine allogene Transplantation eingehend über die derzeit noch unsichere Datenlage informiert werden.


MEDICA.de; Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen