Es sei weder bewiesen, dass Patienten, die zusätzlich zur konventionellen Behandlung eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) erhalten seltener operiert werden müssen noch weniger Schmerzen haben oder ihr Gelenk beweglicher bleibt. Aussagekräftige Studien fehlen bislang vollkommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie empfehlen, die HBO bei diesen Patienten deshalb nur im Rahmen klinischer Studien einzusetzen.

Bei der Femur- oder Hüftkopfnekrose stirbt ein Teil des knöchernen Oberschenkelknochenkopfes ab. Mit der HBO wird versucht, das Gewebe durch vermehrte Sauerstoffzufuhr vor dem Absterben zu bewahren. In einer Druckkammer atmet der Patient über eine Maske oder ein Kopfzelt reinen Sauerstoff ein. Durch den erhöhten Umgebungsdruck lässt sich die Sauerstoffmenge im Blut um ein Vielfaches steigern. Auf diese Weise soll dem Körpergewebe vermehrt Sauerstoff zugeführt und der Gewebezerfall aufgehalten werden.

Der Abschlussbericht kommt zu dem Ergebnis, dass verlässliche Aussagen zum Nutzen der HBO bei der idiopathischen Hüftkopfnekrose erwachsener Patienten derzeit nicht möglich sind. Obwohl diese Therapieform seit rund 20 Jahren erprobt wird, sind weltweit bislang nur Daten zu etwa 100 bis 200 Patienten mit dieser Erkrankung öffentlich zugänglich.

Die einzige verfügbare vergleichende Studie, die sich mit der Fragestellung des Berichts befasst, konnte wegen methodischer und inhaltlicher Mängel nicht in die Bewertung einfließen. Angesichts des völligen Fehlens adäquater klinischer Studien sollte die HBO nach Auffassung des Instituts bei dieser Indikation nur unter geeigneten Studienbedingungen angewendet werden, um so zumindest langfristig gesicherte Erkenntnisse gewinnen zu können.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen