Eine zervikale Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) ist bei Frauen keine Erkrankung an sich, kann aber das Risiko für Zervixkarzinome deutlich erhöhen. Bei jungen Frauen ist dieses Krebsrisiko eher gering, vor allem wenn sie sich nur einmalig infiziert haben. Doch bei einer persistierenden Infektion steigt das Krebsrisiko drastisch an, wenn kanzerogene HPV-Typen involviert sind. Ein internationales Forscherteam vom National Cancer Institute, National Institutes of Health, Department of Health and Human Services in Rockville, Maryland und der Proyecto Epidemiológico Guanacaste Group hat jetzt den natürlichen Verlauf einer HPV-Infektion untersucht. An dieser Studie, die in Costa Rica durchgeführt wurde, nahmen 599 Frauen teil. Alle hatten sich mit HPV infiziert.

Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion analysierten die Wissenschaftler den natürlichen Verlauf dieser Erkrankungen. Zwölf Monate nach Beginn der Infektion war die Erkrankung bei 67 Prozent der Frauen von alleine ausgeheilt. Bei jenen Infektionen dagegen, die sich über mehr als zwölf Monate hinzogen, lag das Risiko; dass sich eine kanzerogene Erkrankung im Stadium CIN2+ entwickelte bei 21 Prozent. Dieses Risiko war am höchsten bei jenen Frauen, die jünger als 30 Jahre waren und sich mit dem HPV-Subtypen HPV-16 infiziert hatten. Bei ihnen betrug das Risiko 53 Prozent.

Was bedeutet dies für die Praxis? Es kommt nicht nur darauf an, eine HPV-Infektion einmalig zu entdecken. Man muss sie vielmehr im Langzeitverlauf untersuchen, schreiben die Studienleiter. Stellt sich eine Patientin mit normalem zytologischen Ergebnis und einer erstmaligen HPV-Infektion vor, dann genügt es nach Ansicht der Studienautoren in der Regel, zunächst zwölf Monate abzuwarten und sich auf eine Strategie des „watchful waiting“ zu verlegen.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the National Cancer Institute 2008, Vol. 100, S. 513-517