Oft hilft ein Blick hinter die Kulissen

Heute lautet auch bei sexuellen
Störungen das Motto: Teamwork
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Frauen und Männer leiden manchmal unter lang anhaltenden Störungen ihres Sexuallebens. Bei Männern sind es meistens der vorzeitige Samenerguss und die Erektionsstörung, bei Frauen oft Lustlosigkeit und Orgasmusstörungen. Sind organische Ursachen hinter den Störungen ausgeschlossen, so sind meist emotionale und psychische Aspekte schuld. „Oft sind beruflicher Stress und der eigene, zu hohe Anspruch ans Leben die Auslöser für sexuelle Blockaden“, erklärt der Psychotherapeut Volker van den Boom aus Aachen, der sich auf partnerschaftliche Probleme und sexuelle Störungen spezialisiert hat.

Sexuelle Störungen seien daher nicht losgelöst von der Gesamtpersönlichkeit zu sehen, denn sie könnten ein deutliches Abbild davon geben, wie der jeweilige Mensch gewohnt ist, mit seinen Gefühlen umzugehen. „Besonders Männer setzen sich enorm unter Druck und haben übersteigerte Erwartungen an sich und ihren Körper. Hinken sie ihren eigenen Vorgaben hinterher, sinkt das Selbstwertgefühl. Schnell macht sich dies durch unsicheres Auftreten im Job, unter Freunden oder im Hobby bemerkbar. Ein richtiger Teufelskreis eben“, erklärt van den Boom.

Jedoch haben sich die Zeiten geändert. Betroffene Menschen gehen selbstbewusster mit ihrem Leiden um. Und während viele Männer früher nur auf Druck ihrer Frauen den Weg in die Arztpraxis gefunden haben, so kämpft man heute gemeinsam gegen die Last an. Van den Boom beobachtet diese Entwicklung mit Zufriedenheit: „Je früher die Leute in die Praxis kommen und je früher sie ihre Blockaden eingestehen, desto besser sind die Heilungschancen.“

Van den Boom sagt, dass viele Kollegen Störungen des Sexuallebens mit einer Verhaltenstherapie behandelten. „Hierbei lässt man aber die persönlichen Hintergründe des Patienten außer Acht und sucht den Grund einer Blockade ausschließlich im körperlichen Bereich.“ Im Anfangsstadium von sexuellen Störungen verspreche eine reine Verhaltenstherapie sicher eine hohe Heilungschance. „Langanhaltende Beschwerden, die häufig bereits die Ehe oder gar das gesamte Privatleben gefährden, erfordern aber dringend eine integrative, auf die jeweilige Person zugeschnittene Therapie“, so van den Boom.

Und mit der hat van den Boom seine Erfahrungen gemacht. Er führt intensive Gespräche und holt nicht selten auch den Partner zu den Sitzungen hinzu. Die „individuelle Auseinandersetzung mit dem Menschen“ sei der Schlüssel zum Erfolg. „Wichtig ist es, wenn ein Fall es erfordert, auch Strömungen aus anderen Feldern der Psychologie einfließen zu lassen. Beispielsweise aus der Paartherapie. Eine Behandlung nach Schema verspricht eine deutlich geringere Heilungschance.“ Laut seiner Aussage kann er 80 Prozent der Hilfesuchenden in seiner Praxis helfen. Länger als sechs bis neun Monate dauere eine Therapie dabei in der Regel nicht.

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