Patienten, die wegen eines Morbus Hodgkin behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie (AML) zu erkranken. Die Daten darüber, wie hoch dieses Risiko tatsächlich ist, sind bislang sehr dünn.

Die Wissenschaftlerin Dr. Sara J. Schonfeld vom National Cancer Institute (NCI) und ihre Kollegen haben sich jetzt retrospektiv die Daten von 35.511 Patienten angesehen, die alle an einem Morbus Hodgkin litten und diese Erkrankung mindestens ein Jahr lang überlebt haben. Die Daten kamen aus insgesamt 14 Krebsregistern verschiedener Staaten aus Nordamerika und Nordeuropa.

217 der Patienten waren später an einer AML erkrankt. Nach der normalen Inzidenz der AML hätte man bei dieser Personenzahl höchstens 10,8 Fälle erwarten dürfen. Das Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken, ist in den ersten zehn Jahren nach der Diagnose eines Morbus Hodgkin am höchsten. Aber auch danach bleibt es noch erhöht.

Nachdem man verschiedenen Einflussfaktoren herausgerechnet hatte, blieb die Häufung der AML statistisch signifikant erhöht. Es errechnete sich eine 6,2fach höhere Wahrscheinlichkeit, an einer solchen Leukämie zu erkranken, wenn ein Morbus Hodgkin diagnostiziert wurde (p kleiner 0.001). In den ersten zehn Jahren ist das Risiko 7,9fach höher, im zehnten bis 14. Jahr 4,6fach höher und danach immer noch 1,3fach erhöht.

Außerdem zeigte die Analyse: Die Wahrscheinlichkeit, an der AML zu erkranken, ist bei Patienten über 35 Jahre höher als bei jüngeren Patienten. Und: Nach dem Jahre 1984 ging die Zahl der Leukämien statistisch signifikant zurück. Das lässt sich nur mit besseren Therapieverfahren in Bezug auf den Morbus Hodgkin erklären.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the National Cancer Institute 2006, Vol. 98, S. 215-218