In einer Studie sollte der Effekt der mammadiagnostischen Zweitbefundung an einer universitären Klinik und Poliklinik für Radiologie beurteilt werden. Dabei verglich man die Berichte der auswärtigen Erstbefundung aus verschiedenen Praxen und der Zweitbefundung aus der Klinik mit den Ergebnissen der Histologie (214 Fälle) oder vierjährigen Verlaufsbeobachtung (74 Fälle) von 236 Patientinnen. Dazu wurde das BI-RADS-Klassifikationssystem eingesetzt. Indikationen für die Primäruntersuchungen waren Schmerzen oder Tastbefunde (117 Fälle), Früherkennung außerhalb eines Screening-Programms (102 Fälle), Nachsorge (13 Fälle) und Primärtumorsuche (vier Fälle). Außerdem wurde der Aufwand der ergänzend durchgeführten bildgebenden Diagnostik und der Einfluss der Zweitbeurteilung auf das weitere Patientenmanagement geprüft.

Es lagen 140 maligne und 148 benigne Läsionen vor. 49 Prozent der 288 Läsionen wurden identisch eingeschätzt, 36 Prozent der auswärtigen BI-RADS-4- und - 5-Befunde als gutartig eingestuft und 41 Prozent der BI-RADS-Läsionen 1 bis 3 als suspekt hochgestuft. Das Kappa-Maß für die Inter-Rater-Reliabilität beträgt bei Einzelbetrachtung der 5-BI-RADS-Kategorien 0,34 und bei Zusammenfassung der Gruppen 1 bis 3 (benigne) gegenüber den Gruppen 4 und 5 (maligne) 0,18. Die Sensitivität stieg durch die Zweitbefundung von 81 Prozent (114/140) auf 96 Prozent (135/140) und die Spezifität von 30 Prozent (45/148) auf 78 Prozent (116/148). Es wurden 23 zusätzliche Karzinomherde entdeckt, zwei falsch negative Umstufungen vorgenommen und sechs zusätzliche falsch-positive Befunde erhoben.

Durch die Zweitbefundung konnten 38 Operationen korrekt vermieden werden. 49 ergänzende MRT-Untersuchungen zeigten fünf Zusatzmalignome und beeinflussten 28 Operationsplanungen vorteilhaft.

MEDICA.de; Quelle: Fortschr Röntgenstr 2006, Vol. 178, S. 330-336