Studien haben verschiedentlich gezeigt, dass beschnittene Männer ein geringeres Risiko haben, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren. Allerdings gibt es auch gegenteilige Befunde. Neue Ergebnisse in dieser Frage bietet eine Longitudinalstudie, deren Ergebnisse jetzt ausgewertet wurden.

Es handelt sich dabei um die „Christchurch Health and Development Study”, die über 25 Jahre lief. Männliche Kinder aus Neuseeland nahmen daran teil. Die Männer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, je nachdem, ob sie vor dem 15. Lebensjahr beschnitten worden waren oder nicht. Mit Hilfe eines Fragebogens erfragte man dann, ob sich die Studienteilnehmer zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr mit einer Geschlechtskrankheit infiziert hatten.

Die 356 Jungen, die nicht beschnitten worden waren, hatten demnach ein 2,66-fach höheres Risiko, sich mit einer Geschlechtskrankheit zu infizieren, als die 154 beschnittenen Gleichaltrigen. Selbst nachdem man verschiedene Störfaktoren wie die Zahl der Sexualpartner oder die Häufigkeit ungeschützten Geschlechtsverkehrs herausgerechnet hatte, zeigte sich ganz klar: Das Risiko für unbeschnittene Männer ist eindeutig höher.

Die Studienleiter haben errechnet, dass die Zahl der Infizierten in ihrer Studienkohorte um 48,2 Prozent niedriger gelegen hätte, wenn alle Jungen beschnitten worden wären.

Vor diesem Hintergrund fordern die Studienleiter der Christchurch School of Medicine and Health Sciences in Neuseeland, eine klare Kosten-Nutzen-Abwägung: Den Kosten für eine Beschneidung aller Neugeborener müssten die eingesparten Kosten für die unnötig werdende Behandlung von Geschlechtskrankheiten entgegen gesetzt werden, so schreiben sie.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2006, Vol. 118, S. 1971-1977