Online-Entscheidungshilfe für Ärzte entwickelt

Von dem neuen Online-Angebot profitieren vor allem ältere Patienten, für die eine intensive, stationäre Therapie besondere Risiken birgt. Denn die Entscheidungshilfe unterstützt die Ärzte bei der Wahl der für den Patienten jeweils optimalen Therapie.

Die häufigste Form der Leukämie bei Erwachsenen ist die akute myeloische Leukämie, die mit zunehmendem Alter vermehrt vorkommt. Da die Weltbevölkerung immer älter wird, gewinnt die AML an Bedeutung.

In Deutschland erkranken jährlich rund 3600 Menschen an AML. Ob diese Form der Leukämie mit einer intensiven Chemotherapie behandelt werden sollte, ist mit Blick auf das Risiko gerade bei älteren Patienten eine schwierige Abwägungsfrage. Verglichen mit jüngeren Patienten ist die Chance auf eine vollständige Erholung der Blutbildung bei Älteren mit etwa 50 Prozent deutlich schlechter und das Risiko für frühen Tod höher. Alternativen sind weniger intensive Formen der Chemotherapie, die ebenfalls den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können, jedoch geringere Chancen auf Heilung bieten.

Fachärzte verlassen sich bei ihren Empfehlungen meistens auf persönliche Erfahrungen und Präferenzen. „Das neue Online-Tool bietet nun die Möglichkeit, die Chancen auf Erholung der Blutbildung und die Risiken der Therapie besser und objektiver einschätzen zu können“, erklärt der an der Entwicklung des Tools beteiligte Hämatologe Doktor Christoph Röllig von der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. „Damit hilft es den Ärzten bei der Entscheidungsfindung.“

Das Online-Tool ist einfach aufgebaut (www.AML-Score.org). Der behandelnde Arzt kann verschiedene Werte angeben, die Einfluss auf die Chancen einer vollständigen Erholung haben. Dazu gehören beispielsweise das Alter bei der Leukämie-Diagnose, die Zahl von Thrombozyten (Blutplättchen) und Erythrozyten im Blut sowie genetische Veränderungen in den Leukämiezellen. Aus diesen Daten berechnet das Tool die Chance einer Remission und das Risiko eines frühen Todes. Die Entscheidung für eine Behandlungsempfehlung kann dieses Instrument den behandelnden Ärzten nicht abnehmen, es kann aber dabei helfen, Chancen und Risiken verantwortungsvoll abzuwägen.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden