Je übergewichtiger die Menschen in den Industrieländern und insbesondere in den USA werden, desto ausgefeilter die Operationsmethoden, um eine Adipositas einzudämmen. Wissenschaftler der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, USA, haben nun zum ersten Mal den Zusammenhang zwischen solchen Operationen und dieser seltenen Enzephalopathieart untersucht, die meist bei Alkoholikern vorkommt und auf ein Thiamin-Defizit zurückzuführen ist.

Die Wissenschaftler suchten in der Literatur systematisch nach Berichten über die Wernicke-Enzephalopathie. In 32 Fällen trat eine solche Enzephalopathie auf, nachdem sich der jeweilige Patient einer bariatrischen Operation unterzogen hatte. In 27 Fällen betraf das Frauen. Betroffen waren die wichtigsten bariatrischen Operationsmethoden.

Kommt es nach einer Übergewichts-Operation zu einer Wernicke-Enzephalopathie, treten oft ungewöhnliche Symptome auf. Typisch für diese Erkrankung sind Verwirrtheit, Ataxie und Nystagmus. Nach einer bariatrischen Operation kommt es dagegen auch zu atypischen Symptomen wie Hörverlust, Konvulsionen, peripheren Neuropathien und einer Korsakoff-Psychose.

Eine weitere Merkwürdigkeit: Magnetresonanztomographische (MRI) Aufnahmen waren in dieser Patientengruppe oft normal, während die MRI bei Alkoholikern mit Wernicke-Enzephalopathie in der Regel auffällig ist und daher oft zur Diagnose herangezogen werden kann.

Inkonsistent waren zudem die Thiamin-Blutspiegel. In wenigen Fällen waren diese Werte tatsächlich erniedrigt – wie man das bei einer Wernicke-Enzephalopathie auch erwarten würde. In manchen Fällen dagegen blieben die Thiamin-Blutspiegel im normalen Rahmen. Die Studienleiter vermuten daher, dass der Wernicke-Enzephalopathie nach bariatrischer Operation andere Ernährungsfaktoren zugrunde liegen müssen als bislang bekannt.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2007, Vol. 68, S. 807-811