Operationen und demografischer Wandel

Foto: Herz und chirurgische Schere

Der Herzbericht stellt Fakten zu Herzoperatio-
nen in Deutschland vor. 2011 waren es rund
100.000 Operationen; © panthermedia.net/
KrishnaKumar Sivaraman

In diesem Zusammenhang steht auch die deutsche Herzchirurgie vor neuen Herausforderungen, da durch den demographischen Wandel das Alter der herzchirurgischen Patienten weiter ansteigt und in diesem Zusammenhang auch häufiger Begleiterkrankungen vorhanden sind, die einer besonderen Beachtung bedürfen: Im Jahr 2011 sind bereits rund zwei Drittel der herzchirurgischen Patienten im Rentenalter. Trotz dieser Entwicklung haben Innovationen und die Etablierung minimalinvasiver beziehungsweise schonenderer Operationsverfahren dazu beigetragen, dass auch weiterhin Überlebensraten von mehr als 95 Prozent erzielt werden.

Im Jahr 2011 machten die rund 55.000 Bypass-Operationen zur Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße wiederum mehr als die Hälfte der Eingriffe am Herzen aus. Die Zahl der Bypass-Operationen war in den Jahren davor zurückgegangen, was aus Sicht der Herzchirurgen vor allem auf die angestiegene Zahl von Stent-Implantationen zurückführen ist.

Die Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen hatten in medizinischen Leitlinien unter anderem festgelegt, dass ein Team bestehend aus einem Kardiologen und einem Herzchirurgen jeden Patienten individuell begutachten soll, um gemeinsam zu entscheiden, ob für ihn die Bypass-Operation oder die Stent-Implantation die richtige Therapie ist. „Diese Herzteams sind zwar noch nicht überall, aber bereits an sehr vielen Kliniken etabliert. Wir raten den Patienten bei der Auswahl einer Klinik gezielt nachzufragen, ob ein solches Herzteam zur Verfügung steht. Wenn nicht, ist unsere Empfehlung, sich auf jeden Fall sowohl von einem Kardiologen als auch von einem Herzchirurgen beraten zu lassen, um sicherzustellen, dass man wirklich die für den individuellen Krankheitsfall beste Behandlung erfährt“, so Professor Jochen Cremer von der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Bei der Erkrankung der Aortenklappe, die eine Entfernung der Herzklappe erforderlich macht, war auch 2011 im Vergleich zum Vorjahr ein weiterer Anstieg des Einsatzes von sogenannten biologischen Prothesen (Gewebe vom Schwein oder Rind) zu verzeichnen, während der Anteil der sogenannten mechanischen Herzklappenprothesen weiter zurückging. So wurden 2011 rund 1.700 krankhaft veränderte Aortenklappen durch mechanische Prothesen, aber fast 10.000 durch biologische Herzklappenprothesen ersetzt.

Weiterhin kritisch wird von den Herzchirurgen die rapide Zunahme der kathetergestützten Aortenklappenimplantationen gesehen, bei denen die defekte Aortenklappe über einen Katheter zunächst mit einem Ballon an die Gefäßwand gedrückt wird bevor nach ausreichender Aufdehnung eine spezielle biologische Herzklappenprothese implantiert wird. So muss nach den für das Jahr 2011 vorliegenden Zahlen für die kathetergestützten Aortenklappenimplantationen (TAVI) davon ausgegangen werden, dass derartige Eingriffe in Kliniken ohne vorhandene herzchirurgische Abteilung und bei Patienten unter 75 Jahren durchgeführt werden, was den kürzlich publizierten Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften der Herzchirurgen und Kardiologen grundlegend widerspricht.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG)