Gut beschrieben ist, dass nach Organtransplantationen gastrointestinale Beschwerden auftreten können. Die Rolle kolorektaler Komplikationen auf diesem Gebiet wurde jedoch weit weniger gut untersucht. In einer Studie sollte daher nun die Inzidenz und Schwere solcher Probleme nach Herz- und Lungentransplantation aufgezeigt werden.

Retrospektiv analysierten Wissenschaftler um Dr. Kelli M. Bullard vom Roswell Park Cancer Institute, Buffalo, USA, die Daten von 1.012 Patienten, die sich zwischen 1978 und 2004 an einem bestimmten Krankenhaus einer Herz- Lungentransplantation oder der Transplantation nur eines der beiden Organe unterzogen hatten.

Die Inzidenz kolorektaler Probleme lag bei sieben Prozent nach Lungentransplantation, vier Prozent nach Herztransplantation und sechs Prozent nach Herz-Lungentransplantation. In 44 Fällen (52 Prozent) waren die Beschwerden schwerwiegend. So traten zum Beispiel Divertikulitis, Perforation oder Neoplasien auf. In 40 Fällen (48 Prozent) waren die Beschwerden nur geringerer Art, etwa Polypen, Pseudo-Obstruktionen oder benigne anorektale Erkrankungen.

23 Patienten (27 Prozent der Fälle) mussten kolektomiert werden und neun (zehn Prozent der Fälle) benötigten eine Analoperation. In 36 Fällen (43 Prozent) waren weniger invasive Eingriffe wie zum Beispiel Endoskopie, kleinere anorektale Eingriffe und anderes ausreichend. 18 Patienten (21 Prozent) wurden ausschließlich medikamentös behandelt, sechs Patienten (sieben Prozent) starben an einer anorektalen Erkrankung.

Das Problem kolorektaler Erkrankungen nach Herz- oder Lungentransplantation ist nach Einschätzung der Studienleiter erst deshalb so spät in das Bewusstsein der Wissenschaft getreten, weil erst in den letzten Jahren die Patienten solche Transplantationen eine längere Zeit überleben.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the American College of Surgeons 2006, Vol. 202, S. 55-61