PSA wird nach wie vor als Standard-Marker für das Prostatakarzinom eingesetzt. Dies hat jedoch ein gewisses Maß an Überdiagnosen zur Folge. Zahlreiche Männer werden dadurch verunsichert und müssen sich gegebenenfalls einer weiter gehenden Diagnostik unterziehen. Man hat daher vorgeschlagen, die Schnelligkeit, mit der sich der PSA-Wert verändert, als Richtschnur zu nehmen.

Wissenschaftler haben dies nun zum Gegenstand einer Studie gemacht. Sie nutzten dafür die Daten der „Baltimore Longitudinal Study of Aging“, an der 980 Männer teilnahmen. 856 von ihnen hatten kein Prostatakarzinom, bei 104 von ihnen war ein Prostatakarzinom zweifelsfrei nachgewiesen, was aber nicht lebensgefährlich war. 20 weitere Männer hatten ein Prostatakarzinom und verstarben auch daran.

Seit Beginn der Studie im Jahre 1991 wurde im Abstand von zwei bis drei Jahren bei allen Probanden der PSA-Wert gemessen und die Männer unterzogen sich zudem einer rektal-digitalen Untersuchung.

Bei jenen Männern, die an ihrem Prostatakarzinom verstarben, war zehn bis 15 Jahre vor der Diagnose der PSA-Wert rasant in die Höhe geschnellt. Die Studienleiter schlagen vor, den Schwellenwert auf einen Anstieg von 0.35 ng/mL pro Jahr zu legen. Dies wäre nach ihrer Ansicht ein realistischer Wert, der die Sensitivität und Spezifität des PSA-Wertes vernünftig ausbalanciert. Damit, so die Studienleiter, könnten Patienten mit einem Prostatakarzinom ausreichend sicher gefunden werden, andererseits würden damit nicht all zu viele Männer unnötigen diagnostischen Maßnahmen unterzogen.

Rechnungen haben ergeben, dass Männer, deren PSA-Wert-Anstieg zehn bis 15 Jahre vor der Karzinomdiagnose unterhalb des Schwellenwertes liegt, eine 25-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 92 Prozent haben.

MEDICA.de; Quelle: Journal of the National Cancer Institute 2006, Vol. 98, S. 1521-1527