Bei Männern ist das Prostatakarzinom die häufigste bösartige Tumorart. Sie umfasst bis zu einem Drittel aller diagnostizierten malignen Tumoren. Allerdings ist die krankheitsspezifische Fünf-Jahres-Überlebensrate bei lokalisiertem Karzinom mit 95 Prozent sehr hoch. Unter Experten ist umstritten, ob es sinnvoll ist, alle beschwerdefreien Männer auf Vorliegen eines Prostatakarzinoms zu untersuchen. Das „American College of Preventive Medicine (ACPM)“ hat nun speziell zur digital-rektalen Untersuchung und zum PSA-Screening ein Positionspapier veröffentlicht, das diese beiden Screeningmethoden eher kritisch sieht. Unter anderem sagt das Papier:

Die digital-rektale Untersuchung hat eine stark schwankende Sensitivität. In klinischen Studien lagen die Werte zwischen 18 und 68 Prozent. Der positiv-prädiktive Wert der digital-rektalen Untersuchung liegt lediglich zwischen vier und 33 Prozent.

Weithin akzeptiert wird ein Schwellenwert von 4 ng/mL beim Prostataspezifischen Antigen (PSA). Die Sensitivität des PSA-Tests lässt jedoch zu wünschen übrig. Passt man den Schwellenwert des PSA-Wertes an das Alter eines Mannes an, dann steigt zwar die Sensitivität des Tests, aber auf Kosten der Spezifität. Verbessern kann man die Sensitivität des PSA-Wertes, wenn man die Schnelligkeit eines PSA-Anstiegs mit berücksichtigt. Sowohl 0,75 als auch 0,5 ng/mL pro Jahr wurden als grenzwertig beschrieben.

Helfen kann auch die Frage, wie viel PSA frei und wie viel gebunden vorliegt. Erkrankte Männer haben meist einen höheren Anteil an gebundenem PSA als Männer mit einer gutartigen Prostataerkrankung. In Bezug auf den Schwellenwert des freien PSA gibt es keine Einigung.

Vor diesem Hintergrund kann sich die ACPM nicht durchringen, die digital-rektale Untersuchung und die Messung des PSA-Wertes als geeignete Maßnahmen eines Massen-Screenings von Männern zu empfehlen.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Preventive Medicine 2008, Vol. 34, S. 164-170