Paradigmenwechsel: Photorezeptor-Transplantation

07.10.2016

Paradigmenwechsel im Forschungsfeld der Photorezeptor-Transplantation: Mechanismus zur Verbesserung der Netzhautfunktion anders als bisher angenommen.
Foto: Mann im braunen Jackett, der schüchtern in die Kamera lächelt; Copyright: CRTD

Prof. Dr. Marius Ader; © CRTD

Die Forschergruppe um Prof. Marius Ader, Gruppenleiter am DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD), Exzellenzcluster an der Technischen Universität Dreden, stellt neues Verständnis für den Mechanismus von Zelltransplantationen zur Verbesserung der Netzhautfunktion vor. Davon betroffene retinale Degenerations-Krankheiten sind z.B. die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und Retinitis Pigmentosa, an denen in Deutschland derzeit über insgesamt 1,6 Millionen Menschen leiden.

Die hier vorgestellte Studie beschreibt einen Paradigmenwechsel im Forschungsfeld der Photorezeptor-Transplantation. Photorezeptoren, oder auch Sehzellen, umfassen die Stäbchen und Zapfen der Netzhaut. Während die Stäbchen das Sehen bei geringen Lichtverhältnissen ermöglichen ("Nachtsehen"), sind die Zapfen für das Tageslichtsehen und die Farberkennung verantwortlich. Bei retinalen Degenerations-Krankheiten sind meist die Photorezeptoren betroffen, was zu Krankheitsbildern wie der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) oder Retinitis Pigmentosa (RP) führen kann. Erste Symptome bei der AMD sind eine verschwommene und verzerrte Wahrnehmung im Zentrum des Gesichtsfeldes durch eine Funktionsstörung bis hin zum Verlust von Zapfen. Dies führt zu einem erschwerten Erkennen von Personen und zum Verlust des Lesevermögens. Die AMD stellt die häufigste Erblindungsursache in Deutschland dar. Bei der RP hingegen kommt es zu einer fortschreitenden Einschränkung des Gesichtsfeldes, da zunächst die Stäbchen schrittweise absterben. Der Patient entwickelt einen Tunnelblick, der Schritt für Schritt durch zusätzlichen Verlust der Zapfen zur vollständigen Erblindung führt. Die hohe Zahl der Betroffenen mit jährlich etwa 5000 Neuerblindungen verdeutlicht die Relevanz der Forschung in diesem Bereich.

Die hier thematisierte Studie untersucht die Mechanismen, die der Rettung der Retinafunktion (Netzhautfunktion) im Mausmodell zu Grunde liegen. Bislang ist man bei der Transplantation von Photorezeptoren von einer strukturellen Integration der Spendenzellen in das Netzhautgewebe ausgegangen, die die Funktion der endogenen Photorezeptoren ersetzen (Zellersatz-Therapie). Die hier vorgestellten Ergebnisse zeigen nun, dass dies nicht der Fall ist und stattdessen die Spendenzellen am Ort der Injektion verbleiben und Zellmaterial zu noch vorhandenen Photorezeptoren des Empfängers transferieren. Es handelt sich hierbei um einen neuen, unerwarteten Mechanismus von Zellmaterial-Transfer zwischen Spender- und Empfänger-Photorezeptoren, dessen Potential zur Entwicklung einer Therapie für den Menschen nun genauer untersucht werden muss (Zellsupport-Therapie). Anschlussuntersuchungen von Professor Ader und seinem Forscherteam haben nun die Identifikation der zellulären und molekularen Vorraussetzungen für diesen Prozess zum Ziel. "Unsere Ergebnisse eröffnen einen möglicherweise neuen therapeutischen Ansatz zur Behandlung retinaler Degenerationen, durch den Spenderzellen noch vorhandene aber dysfunktionale Photorezeptoren unterstützen anstatt diese zu ersetzen", so Ader.

MEDICA.de; Quelle: DGK
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