Parallelnarkose kann Sterberisiko erhöhen

"Multi-Patienting" des Anästhesisten
verdoppelt das Sterberisiko
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"Eine Narkose ist heute fast so sicher wie eine Flugreise", sagt Professor Dr. med. Joachim Radke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Einer von 100.000 Patienten sterbe in Deutschland ohne absehbares Anästhesierisiko. Diese Zahl bleibe trotz zunehmend riskanter operativer Eingriffe konstant: Die Patienten seien durchschnittlich älter und leiden häufiger an Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.

Eine Studie des Niederländers Diederick Grobbee vom Julius Center for Patient Oriented Research in Utrecht hat gezeigt, dass das Sterberisiko deutlich sinkt, wenn der Narkosearzt seine Ausstattung nach einem festgelegten Protokoll und mit einer Checkliste überprüft.

Als entscheidend in der Untersuchung erwies sich die Anwesenheit eines Narkosearztes im Operationssaal: Zwischenfälle, bei denen unmittelbar ein Narkosearzt zugegen war, endeten halb so oft tödlich wie bei der Betreuung durch eine Narkoseschwester, in einigen europäischen Ländern vertritt sie den Narkosearzt. Günstig wirke sich auch aus, wenn es während der Operation keinen Schichtwechsel des Narkosearztes gab und die Narkoseschwester in Vollzeit beschäftigt war.

Trotz eindeutiger juristischer Vorgaben gegen die Parallelnarkose und des erhöhten Risikos für den Patienten planen private Krankenhausbetreiber in Deutschland nun Medizinische Assistenten für Anästhesiologie (MAFA) auszubilden. Sie sollen einfache Narkosen bei absehbar risikolosen Patienten selbst leiten, so dass der Anästhesist parallel weitere Patienten betreuen kann.

Aufgrund der aktuellen Studie aus den Niederlanden warnt die DGAI davor, dieses Vorhaben weiter zu verfolgen. Eine generelle, dienstplanmäßig festgelegte Delegation anästhesiologischer Leistungen sei mit Blick auf eine größtmögliche Sicherheit des Patienten unvereinbar.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin