Meta-Analysen haben gezeigt, dass Passivrauchen das kardiovaskuläre Risiko bei Nichtrauchern um 25 bis 30 Prozent steigern kann. Allerdings hat das Risiko, Opfer von Passivrauchen zu werden, in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Dazu haben nicht zuletzt die strengeren Rauchergesetze in vielen Ländern beigetragen, die das Rauchen in öffentlichen Gebäuden stark einschränken.

In einer Studie wurden nun 1.541 Nichtraucher im Alter von 35 bis 70 Jahren untersucht. 284 dieser Probanden waren kurz zuvor aus stationärere Krankenhausbehandlung entlassen worden. Sie hatten einen Myokardinfarkt erlitten. Die anderen 1.257 dienten als Kontrollgruppe. Alle Studienteilnehmer waren Nichtraucher. Von allen Teilnehmern erhob man sehr ausführlich den Passivraucherstatus. Man fragte sie unter anderem nach Rauchquellen zu Hause, bei der Arbeit oder in öffentlichen Gebäuden, und zwar von der Kindheit bis zur aktuellen Gegenwart.

Nachdem man verschiedene Störfaktoren herausgerechnet hatte, zeigte sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Passivrauchen und dem Risiko eines Myokardinfarkts, obwohl es einen Trend in diese Richtung gab (relatives Risiko: 1.19). Außerdem zeigte die Befragung, dass die Passivrauch-Exposition in den vergangenen Jahren in der Tendenz abgenommen hat, sowohl im häuslichen Umfeld wie auch bei der Arbeit und im öffentlichen Raum.

Angesichts der stark ideologisierten Diskussion warnt der Studienleiter allerdings vor voreiligen Schlüssen. Keineswegs dürfe in der Raucher-Nichtraucher-Diskussion nun der weitere Schutz der Nichtraucher vernachlässigt werden. Vielmehr sei es wahrscheinlich gerade der Trend zu immer weniger Passivrauchquellen in den USA, der dieses Ergebnis ermöglicht habe. Somit wäre die aktuelle Studie kein Argument gegen, sondern sogar eher für den Nichtraucherschutz.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2006, Vol. 166, S. 1961-1967