Patienten profitieren von weniger intensiver Vorbehandlung

Foto: Blutkrebs

Ein Drittel der Blutkrebspatienten
sind von der akuten myeloischen
Leukämie betroffen;© panther-
media.net/iqoncept

Dank der geringeren Intensität treten bei gleicher Wirksamkeit weniger bedrohliche Nebenwirkungen auf, so dass nur halb so viele Patienten innerhalb des – bislang besonders kritischen – ersten Jahres an Therapiefolgen sterben. Auch das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, erhöht sich bei diesem Schema nicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutschlandweite, von Professor Martin Bornhäuser vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, geleitete Studie.

Erstmals stellten die Mediziner in der jetzt veröffentlichten Studie die bislang übliche intensive Vorbehandlung – Konditionierung – von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie auf die Knochenmarktransplantation systematisch einer weniger intensiven Vorbehandlung gegenüber. Besonders für die älteren, an dieser speziellen Form von Blutkrebs erkrankten Patienten zeigte sich ein deutlicher Vorteil in der Frühphase der Therapie. „Dank der geringeren Nebenwirkungen versterben im ‚kritischen ersten Jahr‘ weniger als 10 Prozent der Patienten an Therapiefolgen – statt nahezu 20 Prozent nach der bisher üblichen intensiven Vorbehandlung“, betont Bornhäuser. Eines der wichtigsten Ergebnisseder Studie: „Die Langzeit-Rückfallrate – das heißt die Zahl der Patienten, bei denen die Leukämie trotz der Behandlung zurückkehrte – hat sich durch die schonende Konditionierung nicht erhöht.“

In Deutschland erkranken pro Jahr rund 10.000 Menschen an Leukämie – im Volksmund auch Blutkrebs genannt. Davon gibt es verschiedene Unterformen; gut ein Drittel der Patienten sind von der akuten myeloischen Leukämie betroffen. Sie gilt als häufigste Form des akuten Blutkrebses bei Erwachsenen. „Die Stammzellen des blutbildenden Systems arbeiten nicht mehr richtig. Sie überschwemmen das Blut mit unreifen und daher funktionsunfähigen weißen Blutkörperchen“, erläutert Bornhäuser. Die Betroffenen leiden zunächst unspezifisch unter ständiger Müdigkeit, sinkender Leistungsfähigkeit und häufigen schweren Infekten. Die überwiegende Anzahl ist älter als 60 Jahre, vereinzelt erkranken auch Kinder. „Seit der Einführung der Stammzelltherapie hat sich die Überlebenschance auch für ältere Patienten deutlich verbessert: Dabei werden gesunde Blut-Stammzellen von einem Spender auf den Patienten übertragen. Allerdings starben vergleichsweise viele Patienten in der Frühphase der Behandlung – offenbar eine Folge der hochdosierten Konditionierung.“

Denn ehe die Patienten die neuen Blutstammzellen erhalten, muss ihr eigenes blutbildendes System zunächst zerstört werden – meist durch eine Kombination von Chemo- und Strahlentherapie. „Die Experten gingen bislang davon aus, dass die intensive Vorbehandlung erforderlich ist, um die bösartigen Blutstammzellen so weit als möglich abzutöten und somit eine gute Basis für eine dauerhafte Heilung zu schaffen. Wir fanden aber zunehmend Hinweise darauf, dass Menschen über 40 Jahre sehr viel empfindlicher auf diese intensive Therapie reagieren als Jüngere“, schildert Bornhäuser.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden