Der Geruchssinn und die Bewertung von Gerüchen spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation der Nahrungsaufnahme. Defizite dieser Funktionen haben einen Einfluss auf die Gewichtsregulation und können auch zu einer verminderten Lebensqualität führen. Bislang gibt es nur wenige Studien zur Geruchsperzeption bei Patienten mit Essstörungen. In einer Studie wurden jetzt bei Patienten mit Anorexia nervosa (31 Patienten) und Bulimia nervosa (14 Patienten) olfaktorische Aspekte einschließlich der Bewertung und Intensitätsschätzungen von Gerüchen untersucht. Dazu gab es eine alters- und geschlechtsvergleichbare Kontrollgruppe. Das mittlere Alter betrug 29,42 Jahre.

Die Ergebnisse wurden jetzt beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) vorgestellt.

Die Studienleiter verwendeten den Sniffin‘ Stick Test, der die Parameter Wahrnehmungsschwelle, Diskrimination und Identifikation beinhaltet. Mit Hilfe visueller Analogskalen sollten die Probanden die Intensität und den Wohlgeruch von Düften einschätzen.

Bei der Studie zeigte sich, dass essgestörte Patienten ein reduziertes Diskriminations- und Identifikationsvermögen bei Düften haben. Dies gilt sowohl für die Patienten mit Anorexia als auch Bulimia nervosa. Zudem schätzte die Patientengruppe die Intensität vor allem von nahrungsmittelassoziierten Gerüchen signifikant höher ein als die Kontrollgruppe. Hingegen fand man keine Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmungsschwelle für n-Butanol und der hedonischen Bewertung von Gerüchen.

Die Studienleiter vermuten einen zentralen Mechanismus, der die Sensitivität der überschwelligen Geruchsperzeption steigert. Schwellenbestimmungen für „essbare“ Gerüche stehen bislang allerdings noch aus.

MEDICA.de; Quelle: Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Poster P-007-06