Patienteninformationen im Internet: "Die Qualität ist sehr unterschiedlich"

Interview mit Dr. Klaus Koch, Chefredakteur des Portals gesundheitsinformation.de

01.04.2015

 
Foto: Dr. Klaus Koch

Dr. Klaus Koch; ©IQWiG

Das Internet ist eine beliebte Informationsquelle, auch für gesundheitliche Fragen. Nicht alle dort zu findenden Informationen sind jedoch gut und verlässlich. Um Patienten in Deutschland eine zuverlässige Informationsquelle zu bieten, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, ein Portal erstellt, das auf wissenschaftlichen Angaben basiert.

Wir sprachen mit Dr. Klaus Koch, Chefradakteur von gesundheitsinformation.de, über die Inhalte des Portals und die Bedeutung glaubwürdiger Informationen im Internet.

Wer ist der informierte Patient?

Klaus Koch: Ein informierter Patient kennt die Diagnose- und Behandlungsoptionen, die ihm zur Verfügung stehen. Er weiß auch, welche Vor- und Nachteile diese haben, um sich nach einem Gespräch mit seinem Arzt für eine zu entscheiden.

Welche Art von Informationen erteilt das Portal gesundheitsinformation.de?

Koch: 2004 bekam das IQWiG – das ein wissenschaftlich unabhängiges Institut ist und von einer gemeinnützigen privaten Stiftung getragen wird – einen gesetzlichen Auftrag, allgemeinverständliche Informationen zu erstellen und zur Verfügung zu stellen. Daraufhin entstand das Portal gesundheitsinformation.de, auf dem wir möglichst konkrete, evidenzbasierte Informationen zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten von zahlreichen Krankheiten geben. Außerdem bemühen wir uns, Wissen zum Umgang mit den wissenschaftlichen Methoden zu vermitteln.

Wo bekommen Sie diese Informationen her?

Koch: Alle Informationen, die auf dem Portal veröffentlicht werden, erstellt unsere Redaktion selbst. Das Team besteht aus Wissenschaftlern und qualifizierten Redakteuren, die die Themen in gemischten Gruppen ausarbeiten.

Wenn ein Thema feststeht, recherchieren wir zunächst, welche Informationsbedürfnisse Patienten haben und wie sich ihre Erkrankung im Alltag auswirkt. Dann suchen wir nach wissenschaftlicher Literatur, um die Fragen zu beantworten. Wir stützen uns bei Aussagen zu Behandlungs- und Diagnosemöglichkeiten vor allem auf Zusammenfassungen von guten, vergleichenden Studien, damit unsere Aussagen zuverlässig den aktuellen Stand des Wissens wiedergeben.

Foto: Mann am Laptop

Gute, qualifizierte Informationen sind im Internet oft schwierig zu finden; ©panthermedia.net/Markus Hofmann

Vor der Erstveröffentlichung schicken wir unsere Texte an Gremien wie das IQWiG-Kuratorium, das aus 30 Vertretern zum Beispiel von Patienten, ärztlichen Fachgesellschaften, und Arzneimittelfirmen besteht. Diese haben dann die Gelegenheit, die Artikel zu lesen und zu kommentieren. Die Kommentare sichten wir dann in der Redaktion und entscheiden, welche Vorschläge übernommen werden.

Haben auch Patienten die Möglichkeit, sich zu den Portalinhalten zu äußern?

Koch: Patienten sind bereits in die Entwicklung unserer Texte eingebunden: Regelmäßig führen wir Nutzertests durch, in denen Testleser unsere Texte beurteilen und sagen, was sie für verbesserungswürdig halten. Wir überprüfen dann, wie wir die Texte überarbeiten.

Außerdem haben alle Portalnutzer die Möglichkeit, uns über das Kontaktformular zu erreichen. Wir überprüfen jedes Feedback und reagieren bei Bedarf.

Unsere Redaktion gibt jedoch keine medizinischen Ratschläge. Bei Anfragen dieser Art bitten wir die Leser, sich an einen Arzt zu wenden.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Themenschwerpunkte aus?

Koch: In unserem gesetzlichen Auftrag ist verankert, dass wir uns um Krankheiten mit „erheblicher epidemiologischer Bedeutung“ kümmern sollen. Wir bearbeiten also vor allem häufigere Erkrankungen. Dabei orientieren wir uns an der Diagnosehäufigkeit in Deutschland. Unser Ziel ist es Informationen zu den 200 häufigsten Krankheitsgruppen auf gesundheitsinformation.de zur Verfügung zu stellen.

Wie viele Krankheiten im Jahr stellen Sie auf dem Portal vor?

Koch: Für die Erstellung eines Themas benötigen wir circa sechs Monate. Dadurch, dass wir regelmäßig unsere bestehenden Texte aktualisieren, sind es im Moment 50 bis 60 Themen pro Jahr, die wir entweder neu veröffentlichen oder auf den aktuellen Stand bringen. Alle zwei Wochen versenden wir einen E-Mail-Newsletter und takten unsere Neuveröffentlichungen und Aktualisierungen auf die Newsletter-Termine.

Wie wichtig ist es, dass Patienten sich im Internet zuverlässig informieren können?

Koch: Das Internet ist für viele zu einer ganz normalen und wichtigen Informationsquelle geworden. Die Qualität der Informationen ist jedoch sehr unterschiedlich. Schlechte und gute Auskünfte können nur einen Klick auseinanderliegen. Oft ist es nicht leicht festzustellen, ob eine Information verlässlich ist oder nicht. Man sollte zum Beispiel darauf achten, wer die gegebene Seite betreibt, welche Qualifikationen die Autoren haben und ob sie Quellen angeben. Man sollte grundsätzlich skeptisch sein, wenn man nicht weiß, von wem eine Information kommt. Warnlampen sollten aufleuchten, wenn nur Vorteile einer Diagnose- oder Behandlungsmethode dargestellt oder gar Heilungsversprechen gemacht werden. Das ist eigentlich immer unseriös.

Foto: Michalina Chrzanowska; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Das Interview führte Michalina Chrzanowska.
MEDICA.de